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Studie Krankenkassen zeigen auf, dass Tausende keine Immunisierung aufweisen / Gefahr von Masern, Röteln, Mumps

Kinder unzureichend geimpft

Archivartikel

Stuttgart.Zwei Krankenkassen, eine Aussage: In Baden-Württemberg sind Tausende Kinder überhaupt nicht oder nicht ausreichend geimpft. Damit steigt die Gefahr, dass sie an Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Mumps und Windpocken erkranken – und diese auch an Dritte übertragen. Die Krankenkasse Barmer hat in Baden-Württemberg 2017 die Daten von knapp 15 000 Kindern der Geburtsjahre 2011, 2013 und 2015 erhoben und für den neuen Arzneimittelreport hochgerechnet.

Demnach seien 3,8 Prozent der Zweijährigen, 3,4 Prozent der Vier- und 2,5 Prozent der Sechsjährigen überhaupt nicht geimpft gewesen. „Das sind mehr als 9000 Kinder ohne jeden Impfschutz“, sagt der Landesgeschäftsführer von Barmer, Winfried Plötze. Dies sei nicht nur fahrlässig gegenüber der eigenen Gesundheit, „sondern auch unsolidarisch gegenüber denjenigen, die sich selbst nicht impfen lassen können und deswegen auf den Herdenschutz angewiesen sind“, so Plötze.

Nur wenig Schutz

Von einem Herdenschutz spricht man, wenn so viele Menschen immun sind gegen eine Krankheit, damit auch nicht-Geimpfte geschützt sind. Davon wird jedoch erst bei einer Impfquote von 95 Prozent ausgegangen. Diese Quote wird laut der Barmer-Studie jedoch in Baden-Württemberg bei keiner der 13 wichtigsten Infektionskrankheiten auch nur annähernd erreicht. So hätten bei der Erhebung nur 73,4 Prozent der Sechsjährigen eine Impfung gegen Windpocken gehabt, jeweils 86,2 Prozent gegen Mumps und Röteln. Auch die zweifache Impfung gegen die hochansteckenden Masern konnten im Südwesten nur 86,4 Prozent der Kinder im einschulungsfähigen Alter vorweisen – die im bundesweiten Vergleich zweitniedrigste Masernimpfquote dieser Altersgruppe. Laut dem Barmer-Report waren zudem 3,8 Prozent der Zweijährigen im Jahr 2017 überhaupt nicht geimpft. Hochgerechnet waren das mehr als 3800 ungeimpfte Kleinkinder im Südwesten. Auch Techniker Krankenkasse (TK) hat eine Auswertung ihrer Mitglieder zum Impfverhalten im Südwesten veröffentlicht. Demnach haben nur 45 Prozent der 2016 geborenen Kinder bis zum zweiten Geburtstag alle empfohlenen Impfungen erhalten.

Die TK erhob dazu die Daten von rund 11 500 Kindern. Vor knapp zwei Wochen hat der Bundestag das Masernschutzgesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verabschiedet. Stimmt der Bundesrat noch zu, tritt es am 1. März 2020 in Kraft. Melden Eltern ihre Kinder in Kitas oder Schulen an, müssen sie dann nachweisen, dass ihre Kinder gegen Masern immunisiert sind. Halten sich Eltern nicht daran, drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro. Plötze schließt Nachbesserungen nicht aus. „Wenn die Impfquote dauerhaft auf diesem Niveau bleibt, muss sich die Politik noch mal mit diesem Thema befassen“, sagt er. Jedenfalls liegen die Impfquoten im Südwesten laut der Barmer bei allen Infektionskrankheiten bis zu sieben Prozent unter dem Durchschnitt der Bundesländer. Aber: Die Immunisierungsrate von 95 Prozent wird deutschlandweit nicht erreicht.

Doch woran liegt das? „Die strikten Impfgegner sind in der Minderheit“, sagt Karlin Stark, Leiterin des Landesgesundheitsamtes im Regierungspräsidium Stuttgart. Stark: „Häufiger werden die Krankheiten und mögliche Folgen unterschätzt.“

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