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Bildung Landesweite Vertretung LEBK formiert sich / Bislang sind Anliegen in Corona-Krise durch den Rost gefallen

Kita-Eltern wollen mitreden

Stuttgart.Während sich in der Corona-Krise vieles um den Schulbetrieb dreht, fällt eine große gesellschaftliche Gruppe mit ihren Nöten weitgehend durch den Rost: Die Eltern von Kita-Kindern haben bislang am Entscheidungstisch der Politik keinen Platz. Engagierte Eltern wollen das jetzt ändern: Sie haben die Landeselternvertretung baden-württembergischer Kindertageseinrichtungen (LEBK-BW) ins Leben gerufen. „Wir haben im ersten Lockdown gemerkt, was alles bei den Kitas nicht funktioniert. Aber es gab niemanden, der unsere Interessen wahrgenommen hat“, sagt Susanne Pantel aus Radolfzell am Bodensee. „Mit ein- bis fünfjährigen Kindern sind acht Stunden Homeoffice schlicht nicht möglich“, weiß Pantel aus eigener Erfahrung.

Die Lehrerin und Mutter zweier Kinder gehört gemeinsam mit acht weiteren engagierten Eltern und Vertretern der Kita-Gesamtelternbeiräte aus Tübingen, Reutlingen, Filderstadt, Stuttgart, Singen, Radolfzell und Freiburg zum vorläufigen Vorstandsteam des LEBK-BW. Auch der Freiburger Christian Ledinger, Vater von drei Kindern, ist dabei. Er und seine Frau hatten von März bis Juni während der Kita-Schließungen keine Betreuungsmöglichkeiten für ihre drei, fünf und sieben Jahre alten Kinder. Während es für Schüler zumindest irgendwie Unterricht gab, waren Eltern von Kita-Kindern ohne Anspruch auf Notbetreuung mit der Situation zwischen Homeoffice und Rundumbetreuung von Kleinkindern zuhause zum Teil völlig überfordert. „Für mich war es zugespitzt formuliert so: Zwischen acht und 17 Uhr mache ich Kinderbetreuung, zwischen 17 und acht Uhr arbeite ich“, sagt der in der IT-Branche tätige Ledinger.

Dringliche Fragen

Zu der häuslichen Notsituation kamen zahlreiche Fragen, die niemand beantworten konnte – und die sich bei einem erneuten Lockdown umso dringlicher stellen: Welche Rechte haben Eltern von Kita-Kindern? Bleibt die frühkindliche Förderung in dieser Zeit völlig auf der Strecke? Können sich Eltern in solchen Lagen vom Arbeitgeber freistellen lassen? Werden sie weiter bezahlt? Werden Notbetreuungsplätze ausgebaut? „Wir haben gemerkt, dass für unsere Anliegen niemand zuständig ist. Für die Kitas sind die Kommunen zuständig, aber die Corona-Verordnung kommt vom Land“, sagt Ledinger. „Und wir haben uns gefragt, wie wir uns sichtbar machen können.“

Über Facebook kamen im Frühjahr erste Kontakte zustande, ein Netzwerk wurde geknüpft, auf eigene Kosten ein Online-Auftritt gestaltet, das Ziel definiert: den LEBK-BW als Verein und Sprachrohr zu installieren, der durch ein Fundament von Kita-Gesamtelternbeiräten in allen Kommunen landesweit legitimiert ist. Mittlerweile gehören der Initiative über 60 Kita-Gesamtelternbeiräte und zahlreiche Einzelpersonen an.

Die Organisationsstruktur der Kinderbetreuung macht es freilich schwierig: Kindertageseinrichtungen sind Sache der Kommunen, und die rund 9300 Einrichtungen landesweit werden nicht nur von der öffentlichen Hand, von Kirchen und Sozialverbänden, sondern auch von einer Vielzahl privater Träger betrieben. Vorbild der Gründungsinitiative ist dabei die Funktion des Landeselternbeirats (LEB), der auch gemäß Schulgesetz offizielles Beratungsgremium des Kultusministeriums und eine starke öffentliche Stimme für die Eltern von Schulkindern ist.

Unterstützung auf allen Ebenen

„Wir wollen keine Konkurrenz zum LEB sein und ihm weder Mittel noch Strukturen streitig machen, sondern hoffen auf eine gute Zusammenarbeit“, sagt Pantel. „Aber der U-6-Bereich muss einfach stärker vertreten sein. Beide können wir als LEB und LEBK gemeinsam mehr erreichen.“ Wichtig sei, als Eltern nicht gegeneinander, sondern miteinander zu kämpfen. Mittlerweile ist das LEBK-BW-Gründungsteam mit allen beteiligten Ebenen im Gespräch. „Wir haben überall offene Türen eingerannt“, so Ledinger. „Ob beim Städtetag, dem KVJS, bei den Trägern, beim Kita-Verband, bei Verdi und der GEW – alle sagen: Es ist gut, wenn es eine Elternvertretung für die Kitas gibt.“ Auch das Kultusministerium, in dessen Zuständigkeit die frühkindliche Bildung fällt, unterstützt den LEBK.

Im Frühjahr 2021 soll möglichst alles in trockenen Tüchern und der Vereinsvorstand gewählt sein – damit auch die Kita-Eltern im Land eine starke Stimme haben.

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