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Bildung Wegscheide bei Bad Orb ist das größte Schullandheim Deutschlands / Seit fast 100 Jahren in Betrieb

Klassenzimmer in der Natur

Bad Orb.Die „Teufelsleiter“ zum Haselbach hinabsteigen, einen Unterschlupf aus Zweigen bauen oder abends am Lagerfeuer sitzen – auf der Wegscheide sieht so der Unterricht aus. Statt 45-Minuten-Input in geschlossenen Räumen gibt es Naturerlebnisse und Gruppenerfahrungen. Die Idee ist fast 100 Jahre alt und steht vor der Herausforderung, den Anschluss an die Zukunft zu finden.

In Hessen existieren aktuell elf solcher Einrichtungen, wie der Schullandheim-Landesverband berichtet, dem zehn von ihnen angehören. Anders als Jugendherbergen haben sie aber verschiedene Träger und Konzepte. Neben der Wegscheide in Bad Orb gibt es zum Beispiel die Jugendbildungsstätte Wasserkuppe in Osthessen, das Kreisjugendheim Heisterberg in Mittelhessen oder den Schulbauernhof Hutzelberg-Oberrieden in Nordhessen. Die Wegscheide ist mit 1000 Betten das größte Schullandheim Deutschlands. Im Durchschnitt sind zwischen 600 und 650 Schüler auf dem Gelände, wie Andreas Bardorff sagt, der pädagogische Leiter der Wegscheide.

26 flache Bauten in bunten Farben stehen zwischen Bäumen auf dem eingezäunten Gelände, dazwischen Spielplätze, Tischtennisplatten, Fußballfelder, Baumhäuser, ein Hochseilgarten und ein Kiosk. Die meisten reisen montags mit dem Bus an und freitags wieder ab. Gerade ziehen fünf 5. Klassen der Frankfurter Carl-Schurz-Schule ein. Die Kinder haben ihre Betten bezogen, jetzt holen einige in Ziehwägelchen das Mittagessen aus der Großküche, während andere die Tische decken. „Die Kinder werden hier nicht bedient wie im Hotel“, sagt Bardorff.

Neben dem sozialen Lernen geht es auf der Wegscheide auch darum, für Stadtkinder Natur erlebbar zu machen. Lehrer können aus mehr als 40 Programmen auswählen, die externe Referenten gegen Zusatzgebühren auf der Wegscheide anbieten. Dazu gehören Programme wie Pilze suchen, Fledermäuse beobachten oder Fährten lesen.

Zahl der Einrichtungen rückläufig

Seit 1920 kommen Schulklassen aus Frankfurt auf das ehemalige Militärgelände im Taunus. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Wegscheide zum Kriegsgefangenenlager, nach dem Krieg wurden Flüchtlinge untergebracht. Als das Heim wieder öffnete, „verbrachten Schüler ihre Klassenfahrten in der oberen Dorfhälfte, während in den Steinhäusern im Eingangsbereich noch die Heimatvertriebenen wohnten“, wie Historiker berichten. Seit den 1950ern sichert ein Erbpachtvertrag den Fortbestand der Einrichtung, die von einer Stiftung getragen wird. In den 1990ern stand die Wegscheide dennoch auf der Kippe: Die Gebäude waren marode, das Konzept war veraltet. Mit einem neuen Profil in Umweltbildung und der Öffnung für andere Gäste haben die Buchungen wieder zugenommen. „Bundesweit ist die Zahl der Schullandheime rückläufig“, berichtet Reimund Noack, Vorstand des Schullandheim-Landesverbands. Ob in zehn Jahren noch alle Heime in Hessen existieren, könne man nicht garantieren.

Die nötige Zahl an Begleitpersonen zu organisieren, die Zeit im Schulalltag unterzubringen und die wachsenden Anforderungen an die Träger seien nur einige Problempunkte. Einrichtungen wie die Wegscheide ringen um den richtigen Weg zwischen zwei gegensätzlichen Zielen. Einerseits gehe es um Entschleunigung, die Natur und das einfache Leben, wie Noack sagt. Auf der anderen Seite müssten Schullandheime aufpassen, dass sie keine Entwicklungen verschlafen.