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Natur Für die Bäume hat das dritte Stressjahr durch Trockenheit begonnen / Rheinland-pfälzische Forstministerin in Sorge

Klimawandel bedroht den Wald

Archivartikel

Mainz.Etwas mehr als eine Million Fichten sind 2020 in Rheinland-Pfalz schon notgefällt worden – nach rund 3,5 Millionen in den beiden Jahren zuvor. Der Klimawandel bringt den Wald – in einem der Bundesländer mit dem höchsten Waldanteil – in Lebensgefahr. „Damit sind auch rund 51 000 Arbeitsplätze bedroht. Das sind mehr als in der Industrie“, sagte Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Mainz. Erst der Orkan „Sabine“, dann wieder Trockenheit und mit ihr erneut Schädlinge. „Wenn der Wald weg ist, gibt es eine exponentielle Entwicklung der Klimakrise.“ Ein Viertel des Treibhausgases in Rheinland-Pfalz werde im Wald gebunden.

Enorme Verdunstung

Noch nie – seit Beginn der Erhebungen 1984 – sei bei Bäumen der Anteil mit gesunden Kronen so niedrig gewesen wie jetzt. Die Schäden des Orkans „Sabine“ hatten die kritische Situation der Wälder Anfang des Jahres noch verschärft. Mindestens 400 000 Festmeter Holz fielen dem Orkan in zwei Nächten zum Opfer – mehr als 100 000 Bäume.

Zwei trockene Jahre in Folge hatten den Wäldern bereits schwer zu schaffen gemacht. 82 Prozent der Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen und anderen Arten waren 2019 geschädigt – so viele wie schon 2018 und der höchste Wert seit Beginn der Statistik 35 Jahren. „Ein dritter Dürre-Sommer in Folge wäre katastrophal“, sagte Höfken.

Bis in den März habe es noch ganz gut ausgesehen mit dem Niederschlag. Seither habe es jedoch fast gar nicht mehr geregnet und die Waldbrandgefahr habe im April in einigen Regionen bereits die zweithöchste Stufe erreicht. Die austreibenden Bäume bräuchten derzeit aber viel Wasser. „Die Grundwasserneubildung geht massiv zurück“, sagt Höfken und nennt die „enorme Verdunstung“ als Hauptgrund.

Auch die Fichtenborkenkäfer sind schon wieder unterwegs. Sie hätten ein leichtes Spiel, wenn die Bäume unter Wassermangel litten und somit anfälliger seien: „Fichten produzieren dann weniger Harz und können dadurch den Käferbefall kaum abwehren“, sagt eine Ministeriumssprecherin.

Gießen nicht möglich

Bei langer Trockenheit seien vor allem gepflanzte Baumsetzlinge und selbst gewachsene Jungbäume betroffen, weil ihre Wurzeln noch kaum an Wasser in tieferen Bodenschichten herankämen. Besonders anfällig seien auch erwachsene Fichten, weil sie weniger tief wurzelten als etwa Eichen und Buchen.

Für die Entstehung widerstandsfähiger Mischwälder in Zeiten des Klimawandels sei der Regenmangel ein riesiges Problem. „Die Wälder kann man nicht gießen“, sagte Höfken. Gegen die Waldkrise helfe nur Klimaschutz, betonte Höfken.

Auch wenn nun ab Dienstag Regen angekündigt ist. In der Fläche gibt es laut Deutschem Wetterdienst in Offenbach aber derzeit keine Hoffnung auf besonders große Regenmengen. dpa