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Covid Die meisten Patienten liegen in Hessen auf normalen Stationen / Höchststand bei Belegung von Intensivbetten zum Monatsende

Kliniken sind vorbereitet

Archivartikel

Wiesbaden.Die hessischen Krankenhäuser kommen mit der wachsenden Zahl an Covid-19-Patienten bislang besser zurecht als vielfach befürchtet. Von den landesweit derzeit 1456 stationär versorgten Menschen mit der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit lagen Anfang der Woche nur 308 auf der Intensivstation.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) und der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik, Jürgen Graf, erwarten den Höchststand der Patientenzahl erst zum Monatsende, weil sich die Infektionszahlen mit bis zu vier Wochen Verzögerung auf die Bettenbelegung in den Krankenhäusern auswirkt. Es sei nicht auszuschließen, dass eines Tages auf den Intensivstationen weniger Pflegekräfte und Ärzte pro Patient zur Verfügung stehen als bis jetzt.

Hoffnung auf Rückgang

Aktuell gibt es den Angaben zufolge insgesamt 2078 Betten auf Intensivstationen hessischer Klinken. Mit dem Einsatz zusätzlicher Pflegekräfte aus anderen Abteilungen kann die Zahl kurzfristig noch auf 2400 erhöht werden. „Gegenwärtig sind wir zuversichtlich, dass wir die Kapazitäten nicht voll ausreizen müssen“, sagte Graf, der den Planungsstab des Landes für die stationäre Versorgung in der Pandemie leitet.

Am Dienstag meldete das Sozialministerium 1701 neue Infektionen mit dem Virus binnen 24 Stunden. Das waren weniger als vor dem Wochenende, allerdings stieg die Zahl der neuen Todesfälle auf einen Rekordstand von 28 in Hessen. In Frankfurt wurden 158 neue Infektionen registriert, die extrem hohe Zahl von 587 Fällen in Hessens größter Stadt am vergangenen Samstag führte Klose auf einen „Meldeverzug“ zurück.

„Wir gehen davon aus, dass wir den Gipfel voraussichtlich am Monatsende erreichen werden“, sagte der Minister. Bislang sehe er keinen Grund für ein hessenweites Verbot nicht sehr dringender Operationen in den Krankenhäusern, wie es in einzelnen Kliniken bereits verhängt werde. Hessen werde aber weiter sehr genau hinschauen, wie sich die Zahlen entwickelten. Klose zeigt sich aufgrund der Zahlen vorsichtig optimistisch, dass die vor acht Tagen in Kraft getretenen Kontaktbeschränkungen den Anstieg der Kurve neuer Fälle abflachen werden.

Bewährt hat sich nach Einschätzung Grafs die im Frühjahr vorgenommene Aufteilung Hessens in sechs regionale Versorgungsgebiete mit jeweils einem koordinierenden Großkrankenhaus.

Drei dieser Gebiete sind wegen des hohen Ansturms von Covid-19-Patienten allerdings schon in die zweite Eskalationsstufe aufgenommen worden, die es erlaubt, in andere Versorgungsregionen zu verweisen. Das gilt für Frankfurt/Offenbach, Darmstadt/Südhessen sowie Gießen/Marburg. Mit Stand 30. Oktober wurden von da 16 Patienten mit nicht coronabedingten Krankheiten an Kliniken in Nord-, West- oder Osthessen weitergeschickt. Grund für eine weitere Verschärfung der in Hessen geltenden Corona-Verordnungen sieht Klose derzeit nicht. Er verwies aber auf das angestrebte einheitliche Vorgehen der Bundesländer.

Pflegekräfte nachgeschult

Ausdrücklich bedankte sich der Minister für die Zusammenarbeit der hessischen Krankenhäuser zur Bewältigung der Corona-Krise. Die hätten dafür die Konkurrenz untereinander ein Stück weit beiseitegelegt. Graf wies darauf hin, dass sich die Kliniken im Sommer intensiv auf die erwartete zweite Welle vorbereitet hätten. So seien etwa Pflegekräfte aus anderen Abteilungen für einen Einsatz auf Intensivstationen nachgeschult worden. Andererseits habe es aber auch Erkrankungen beim Pflegepersonal selbst gegeben und sei deren Zahl „endlich“.

Der Planungsstab für die stationäre Versorgung sei gleichwohl bemüht, mit der steigenden Zahl Erkrankter auch die Kapazitäten der Stationen zu erhöhen, wobei jeweils ein Puffer eingerechnet werde. Bei aller Hoffnung auf Besserung gilt für den Medizinprofessor weiter: „Eine solche Situation hatten wir in den Krankenhäusern noch nie.“