Länder

Medizinermangel Nur Konsens bei Zahl von Studienplätzen

Koalition streitet über Arztquote

Stuttgart.Grüne und CDU steuern auf einen koalitionsinternen Konflikt um die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden zu. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) lehnte gestern im Landtag eine Landarztquote ab, mit der die CDU junge Mediziner zur Übernahme einer Praxis in Gebieten mit Arztmangel bewegen will. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart hält trotzdem an seinem Vorschlag fest: „Wir wollen zehn Prozent der Studienplätze an solche Bewerber vergeben, die sich vertraglich zu einer Niederlassung auf dem Land verpflichten.“

In einer aktuellen Debatte begründet der CDU-Abgeordnete Stefan Teufel die sogenannte Landarztquote mit dem Hinweis, dass in den nächsten Jahren in Baden-Württemberg 500 Hausarztpraxen nicht nachbesetzt werden könnten, weil Interessenten fehlen. 35 Prozent aller Hausärzte seien älter als 60 Jahre. Vor diesem Hintergrund seien zusätzliche Anreize notwendig, um eine flächendeckende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Derzeit können in Baden-Württemberg jedes Jahr 1500 Bewerber ein Medizinstudium beginnen.

Bewerber können Ausweg finden

Konsens herrscht in der grün-schwarzen Koalition, dass die Zahl der Anfängerplätze um zehn Prozent erhöht werden soll. Bauer weist allerdings darauf hin, dass die Ausbildung von Nachwuchsmedizinern die höchsten Kosten aller Studiengänge verursacht. Die Christdemokraten wollen diese zusätzlichen Plätze für ihre Landarztquote reservieren. Bauer lehnt das Modell ab. Die Quote würde nur auf sehr lange Sicht wirken, weil ein Studienanfänger etwa zwölf Jahre braucht, bis er sich als Hausarzt niederlassen kann. Außerdem würden Bewerber, die ihre vertragliche Verpflichtung nicht einhalten wollen, einen Ausweg finden. „Wenn man genügend Geld hat, kauft man sich einfach wieder raus“, warnt die Grünen-Politikerin.

Der SPD-Abgeordnete Rainer Hinderer schlägt sich auf die Seite der Gegner: Eine Quotenregelung könne „allenfalls ein kleiner Baustein bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung in ländlichen Gebieten sein“. Für den FDP-Abgeordneten Jochen Haußmann wirft die Quotenregelung „mehr Fragen auf, als dass sie Antworten gibt“. pre