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Kriminalität Hessische Städte berichten von hohen Schäden durch Malereien / 4800 Fälle vergangenes Jahr angezeigt

Kommissarin auf Graffiti-Jagd

Hanau.Vielen Menschen fallen sie gar nicht mehr auf – dabei sind sie beinahe allgegenwärtig: Graffiti. Vom kleinen Schriftzug bis hin zu großformatig gesprühten Bildern an Mauern und Fassaden. Ursula Elmas stechen die Kritzeleien und Malereien sofort ins Auge – von Berufs wegen. Die 57-Jährige ist eine Art Graffiti-Jägerin. Doch so richtig gefällt ihr die Bezeichnung nicht. „Ich bin Ermittlerin. Da ist viel Feinarbeit nötig. Das funktioniert nicht nach dem Prinzip: Schuss und Treffer.“

Elmas leitet in Hanau das Sachgebiet „Sprayer“. Die Kriminalhauptkommissarin ist viel in der Stadt unterwegs. Sie weiß, wo die Hotspots der Sprayer sind. In der Metzgerstraße oder am Bahndamm etwa reihen sich kleine, sogenannte Tags (selbsterdachte Signaturkürzel) und große, mit Farbspraydosen aufgebrachte Schriftzüge bunt aneinander. Um Graffiti zu dokumentieren, greift sie zur Handykamera und trägt den Fall später detailliert in eine sogenannte Crime-Datenbank ein. „Wenn die Polizei nichts unternehmen würde, würde es wahrscheinlich ausufern“, sagt Elmas. Für Befürworter ist es Kunst, für Gegner Vandalismus und Sachbeschädigung. In Hessen ist das Problem trotz großer Anstrengungen nicht kleiner geworden. Die Schäden gehen laut Polizei alljährlich in die Millionen in Hessen. Die Kosten steigen in einigen Städten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. In der Landeshauptstadt Wiesbaden ist das Problem „erheblich“. Offenbach spricht von einem „großen und zunehmenden Problem“. Für Hinweise zu Tätern sind dort sogar Belohnungen ausgesetzt – genauso wie in Hanau, dort gibt es 1000 Euro. In Frankfurt und Kassel sind die Kosten zur Beseitigung 2017 gestiegen. Darmstadt spricht von einer „leichten Zunahme“. Nur in Gießen seien die Fallzahlen „eher abnehmend“, berichtet die Stadt. Bundesweit summieren sich die durch Graffiti verursachten Schäden auf rund 200 Millionen Euro, wie der Deutsche Städtetag mitteilte.

Buchstaben als heiße Spur

Laut einer Langzeitstatistik werden pro Jahr etwa 5000 bis 6000 Fälle angezeigt. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des hessischen Innenministeriums rund 4800 Fälle. Die Dunkelziffer sei aber sehr hoch, sagt Elmas.

Die Täter sind laut Polizei zu 90 Prozent männlich. Meist zwischen 15 und 25 Jahren alt. Beeinflusst werden sie oftmals aus dem Hip-Hop- und Skater-Milieu, oder von Ultras aus den Fußballstadien.

Bei der Suche nach den Tätern hat Elmas erstmal nicht viel mehr als den Schriftzug. Aktuell jagt sie Tätern hinterher, die in Hanau das Buchstabenkürzel „PSE“, „Tülps“ oder eine Sinuslinie hinterlassen. Wenn weitere Spuren an den Tatorten hinterlassen werden, hat Elmas Glück. Gesichtsmasken, Handschuhe, Sprühdosen oder -köpfe werden auf DNA-Spuren oder Fingerabdrücke untersucht. lhe