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Verkehr Beamte der Polizei stoppen Autoprotzer in Frankfurter Innenstadt / Hohe Strafen bei aufgemotzten Fahrzeugen

Kontrolleinheit Kart auf Tour

Frankfurt.Nico Briesemeister und sein Kollege haben in ihrem als Zivilfahrzeug getarnten Dienstwagen kaum den Hof des Frankfurter Polizeipräsidiums verlassen, als ein Wagen Aufmerksamkeit erregt: tiefgelegt, breite Felgen, und der Fahrer ignoriert mit röhrendem Motor eine rote Ampel. Ein klarer Fall für die beiden Beamten von Kart (Kontrolleinheit Autoposer, Raser, Tuner). Während Briesemeister ein Blaulicht auf das Dach des Wagens setzt, drückt Polizeikommissar Kunz aufs Gaspedal. Wenig später steht das Polizeifahrzeug hinter dem weißen Fahrzeug eines Mannes aus Bad Homburg, der gar nicht verstehen will, was die Polizei von ihm will.

Doch die manipulierte Auspuffanlage, die für die lauten Geräusche sorgt, geht gar nicht. Mit einer Taschenlampe untersucht Kunz die Scheinwerfer, kriecht halb unter das Fahrzeug, um Auspuff und Unterbau zu inspizieren. Briesemeister, Leiter der achtköpfigen Kart-Einheit, misst den Geräuschpegel des Motors. Das Messgerät bestätigt: Das Auto ist lauter als erlaubt.

Ruhig erläutert Briesemeister, wie es weitergeht: „Sie können den Wagen hinter uns zum Präsidium fahren, oder er wird abgeschleppt.“ Vorläufig sei das Fahrzeug sichergestellt und müsse von einem Gutachter unter die Lupe genommen werden. Obendrein müsse der Fahrer zu einem späteren Zeitpunkt nachweisen, dass alles wieder den technischen Maßgaben entspreche.

Fachkenntnisse erforderlich

Das dürfte eine teure Fahrt für den Poser gewesen sein – allein die Gutachterkosten liegen in der Regel zwischen 400 und 600 Euro, eine neue Auspuffanlage ist auch nicht ganz ohne, hinzukommen Kosten für Verwaltungsgebühren und Anzeige. „Wegen drei Dezibel! Ein Lamborghini ist vom Werk her lauter“, empört er sich: „Das nächste Mal fahr ich einfach davon.“

Einsicht sei in der Poserszene auch nach einer Kontrolle nicht weit verbreitet, erzählen die beiden Polizisten. „Es gibt viele, die wir schon einmal kontrolliert haben und weitermachen.“ Die Versuchung, auf wiederholten Runden vor Passanten mit einem aufgemotzten Auto zu prunken, ist offenbar zu groß.

„Die allermeisten sind Männer“, sagt Briesemeister. Und auch für die Kart-Mitarbeiter gilt: „Interesse an Autos sollte schon da sein – oder zumindest die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen.“ Nicht nur beim Blick auf Auspuffanlage oder unter die Motorhaube müssen die Beamten erkennen, ob etwas zu beanstanden ist – auch im fließenden Verkehr machen sie Fahrzeuge aus, die eine Überprüfung wert sind.

Mit dem nächsten Poser, der auf der in der Szene beliebten Hanauer Landstraße gestoppt hat, hat Kunz ein bisschen Mitgefühl: „Das wird richtig teuer.“ Denn der Fahrer, dessen mit Folie überzogene Scheinwerfer den Polizisten als erstes aufgefallen waren, hielt nicht nur auf Aufforderung brav am Straßenrand, sondern fuhr den Bordstein hoch. Eine Felge hat das nicht überstanden. „Da kostet ein Satz schon mal locker 4000 Euro.“

98 statt 80 Dezibel

Das ist nicht der einzige Ärger für den Fahrer, der versichert, nichts am Auto verändert zu haben. Na ja, fast nichts. Die Folien haben die Kart-Mitglieder ja bereits entdeckt. Und auch der Soundgenerator im Kofferraum, ein Lautsprecher, der den Motorsound in Extrastärke erzeugt, kann nicht bleiben. Immerhin: In diesem Fall wurde die Auspuffanlage nicht manipuliert, der Fahrer kann den Wagen weiterbenutzen, muss aber noch einmal den Ausbau des Soundgenerators nachweisen.

Reichlich laut kommt das Fahrzeug daher, mit dem zwei junge Männer nach eigenen Angaben nach Bad Homburg fahren wollten. Aber jetzt ist Schluss. Mit 98 Dezibel liegt der röhrende Motor nicht nur über den als zulässig eingetragenen 80 Dezibel, sondern auch deutlich über der Toleranzgrenze. Der Fahrer steht zur Leidenschaft fürs Posen. „So ein Auto ist einfach toll.“ Da er keinen gültigen Führerschein hat und die Polizisten noch einige andere Beanstandungen an dem Auto haben, ist jetzt aber Schluss mit der Fahrt. Stattdessen kann der Fahrer nur zusehen, wie ein Abschleppdienst seinen Wagen auf den Haken nimmt. Schulterzuckend versucht er sich in philosophischer Haltung: „Das ist der Preis, wenn man mit dem Feuer spielt.“ Dann verschwindet er in der Frankfurter Nacht – zu Fuß und auf der Suche nach einem Taxi.