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Gesundheitswesen Landesregierung rechnet nicht mit schneller Abflachung der Corona-Infektionskurve / Rehakliniken entlasten Krankenhäuser bei Pflege

Kretschmann: „Weiterhin gilt Alarmstufe Rot“

Stuttgart.Die umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens führen nach Einschätzung der baden-württembergischen Landesregierung nicht vor kommender Woche zu einer Abflachung der Infektionskurve mit dem Corona-Virus. „Wir haben den Trend zu einer leichten Abflachung der Kurve, aber wir rechnen damit, dass wir erst in der nächsten Woche erste Ergebnisse sehen können“, sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag bei der aus dem Staatsministerium gestreamten Regierungspressekonferenz in Stuttgart.

Lucha, der sich in häuslicher Quarantäne befindet, war Regierungschef Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) selbst per Live-Stream zugeschaltet. Ministerpräsident Kretschmann sieht Baden-Württemberg ungeachtet aller Maßnahmen erst am Beginn der Krise, wie er am Dienstagvormittag in einer SWR-Sendung gesagt hatte – und räumte ein, das Virus zunächst unterschätzt zu haben. Obwohl man drastische Maßnahmen ergriffen habe, steige die Zahl der infizierten Menschen weiter. ,,Es gilt nach wie vor Alarmstufe Rot“, so Kretschmann.

System wird umgebaut

Stand Dienstagmittag waren in Baden-Württemberg 5887 Infizierte und 36 Todesfälle gemeldet; allein am Vortag waren über 1000 dazugekommen. Landesweit sind 415 Personen stationär in Kliniken zur Behandlung, davon 43 auf Intensivstationen. Alle intensiven Krankheitsverläufe im Land beträfen ältere Patienten. Das Land baue derzeit die Kapazitäten an den Kliniken weiter aus, berichtete Lucha.

,,Wir strukturieren das gesamte System und die Kapazitäten um“, so der Sozialminister. Landesweit stehen derzeit insgesamt 54 526 Krankenhausbetten zur Verfügung, 3246 davon sind Intensivbetten, davon 600 an Universitätskliniken. ,,Es gibt 2208 Beatmungsplätze flächendeckend an 107 Standorten im Land“, sagte Lucha. Jetzt werde auch auf 25 000 Betten an den 130 Rehakliniken in Baden-Württemberg zugegriffen sowie auf die 1400 dort beschäftigten Ärzte. ,,Die Rehakliniken können die Pflege übernehmen, damit wir die Krankenhausbetten für die Neuerkrankten freibekommen“, sagte Lucha.

Der Sozialminister räumte ein, dass es regional Engpässe mit Testkits gegeben habe. Auch die geplante Ausweitung der Testkapazitäten auf größere Teile der Bevölkerung bereitet Probleme. ,,Deshalb werden weiter nur Personen getestet, die Symptome zeigen“, so Ministerpräsident Kretschmann.

Leichte Entspannung versprach Lucha bei der Beschaffung der dringend eingeforderten Atemschutz- und OP-Masken. Das Land rechnet demnach mit insgesamt rund elf Millionen Masken.

Für die steigende Zahl der als genesen geltenden Infizierten gibt es vorerst keine Hoffnung, sich wieder frei bewegen zu können – obwohl davon ausgegangen wird, dass sie immun sind. Lucha: ,,Es gibt keine Sonderausnahmen.“

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