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Landesregierung Staatsminister Klaus-Peter Murawski geht in Ruhestand

Kretschmanns Ideengeber

Archivartikel

Stuttgart.Er ist seit Jahren die rechte Hand Winfried Kretschmanns, dessen Freund und politischer Strippenzieher hinter den Kulissen sowie der Organisator von Grün-Schwarz bei Abstimmungen zwischen den Ländern und mit der Bundesregierung: Klaus-Peter Murawski, Staatsminister in der Villa Reitzenstein, geht Ende August in den Ruhestand. „Ich bedauere das außerordentlich. Er war ein richtiger Problemlöser sowie ein Ideen- und Ratgeber. Zudem war er für den Zusammenhalt in der grün-schwarzen Koalition wichtig“, sagte Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) gestern in Stuttgart.

Laut Staatsministerium ist eine chronische Erkrankung der Grund für den Rückzug des 68-Jährigen. Demnach leide Murawski an sogenannten Cluster-Kopfschmerzen. Zuletzt musste er diese über sieben Monate am Stück ertragen. Um die Krankheit in den Griff zu bekommen, sei eine medikamentöse Dauerbehandlung nötig – was mit dem stressigen Amt des Staatsministers unvereinbar ist. „Die Ärzte haben ihm empfohlen, ein geruhsameres Leben zu führen“, sagte der Regierungschef.

Murawski lag wegen der Erkrankungen seit Mai im Krankenhaus. Es wird gemutmaßt, dass ihm auch der Stress wegen des Stuttgarter Klinik-Skandals zusetzte. Bei diesem gab es Unregelmäßigkeiten in der internationalen Abteilung des Klinikums. Es wurde ein heikler Nachrichtenverkehr zwischen Murawski und dem ehemaligen Leiter der Auslandsabteilung des Klinikums Stuttgart, Andreas Braun, öffentlich. Braun, der auch schon Landeschef der Südwest-Grünen war, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart laufen Ermittlungen wegen Untreue, Betrug und Bestechlichkeit gegen 21 frühere Mitarbeiter des Klinikums – sowie Vermittler von Gesundheitsdienstleistungen. Es sollen zu hohe Provisionszahlungen an Gesundheitsdienstleister geflossen sein, die Geschäfte mit ausländischen Patienten vermittelten.

Murawski selbst war von 1996 bis 2011 als Bürgermeister in der Landeshauptstadt auch für den Krankenhaussektor zuständig. Kretschmann nahm ihn jedoch im Klinik-Skandal immer in Schutz. „Die Vorwürfe haben ihn getroffen, keine Frage. Die Staatskanzlei hat mit den Vorgängen überhaupt nichts zu tun“, sagte er gestern erneut.

Unabhängig davon hat Murawski einen interessanten Werdegang. 1950 in Erfurt geboren, als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Westdeutschland geflohen, Studium in Nürnberg, Ende der 1970er für die FDP im Nürnberger Stadtrat, Wechsel zu den Grünen, erst Bürgermeister in Nürnberg, dann in Stuttgart, ab 2011 Chef der Staatskanzlei in der ersten Regierung Kretschmann. In seiner zweiten Regierungszeit ernennt dieser Murawski zum Staatsminister. Der Koalitionspartner fand gestern nur lobende Worte für Murawski. „Er ist eine stabile Säule in der Landesregierung“, sagte Vize-Regierungschef und Innenminister Thomas Strobl (CDU).