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Bildung Universitäten Mainz, Frankfurt und Darmstadt pflegen strategische Allianz „Zukunft mal drei“ / Studierende monieren schlechte Arbeitsbedingungen

Kritik an Forschungsverbund wächst

Archivartikel

Mainz/Frankfurt/Darmstadt.Als Wissenschaftsregion wollen die Universitäten in Mainz, Frankfurt und Darmstadt gemeinsam national und international punkten. „Starke Forschungsverbünde, ein gemeinsamer Studienraum sowie vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen“ bezeichnen sie als das Fundament ihrer Zusammenarbeit. Ziel der 2015 geschmiedeten „strategischen Allianz“ der Rhein-Main-Universitäten (RMU) mit dem Titel „Zukunft mal drei“ ist, mit einem breiten fachlichen Spektrum Antworten auf die großen, übergreifenden und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen der Zukunft zu entwickeln.

Die RMU sollten zu einem Magnet für die besten Nachwuchswissenschaftler werden, sagt der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD). „Ich sehe die Rhein-Main-Region neben München, Berlin, der Rhein-Neckar-Region oder dem Rheinland als eine der führenden Wissenschaftsregionen in Deutschland mit einem eigenen charakteristischen Profil in Forschung und Lehre.“ Wolfs hessische Kollegin Angela Dorn (Grüne) ergänzt: „Der Wettbewerb im Wissenschaftssystem ist gestiegen, die Forschungsthemen werden immer komplexer und interdisziplinärer, und Förderangebote sind meist für sehr große Vorhaben vorgesehen, für die es Partner braucht.“ Regionale Kooperationen würden daher an Bedeutung gewinnen.

Minister Wolf nennt als Beispiele für Forschungsthemen der RMU die Bekämpfung von Volkskrankheiten, die Teilchenphysik und die Archäologie. Für das Potenzial spricht nach Einschätzung der Beteiligten die Höhe der eingeworbenen Drittmittel sowie Bestplatzierungen der einzelnen Hochschulen im Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Informatik, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Naturwissenschaften.

Hessen lässt sich das rund 1,9 Millionen Euro für die Jahre 2016 bis 2020 kosten. Das Geld stammt aus dem Innovations- und Strukturentwicklungsbudgets im Hochschulpakt, wie Ministeriumssprecher Volker Schmidt sagt. Rheinland-Pfalz stellt der RMU für den gleichen Zeitraum rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Inhaltliche Schwerpunkte der Forschungsallianz sind digitale Geisteswissenschaften, künstliche Intelligenz und Data Science (Wissen aus Daten). Gerade von den Studenten gibt es aber auch Kritik: Der Zusammenschluss sei „Teil einer zunehmenden Neoliberalisierung von Lehre und Forschung“, heißt es beim Asta in Frankfurt. „Nach marktlogischen Prinzipien werden in dem Verbund Fragen der Effizienz behandelt, denen sich auch die Universität immer weniger entziehen kann.“

„Lehre nach Verwertbarkeit“

Die „strategische Allianz“ diene allein der Stärkung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit und stehe damit in der Tradition des Bologna-Prozesses: Studium und Lehre nach Verwertbarkeit auszurichten, kritisieren die Asta-Vertreter. „Eine Verbesserung der Studienbedingungen ist durch die Rhein-Main-Universitäten bisher nicht abzusehen.“ Das Zusammenrücken biete zudem keine Antworten auf Fragen wie Leistungsdruck, ökonomischen Druck infolge hoher Mieten und „unzureichendem Bafög“.