Länder

Prozess Fünf Angeklagte sollen PKK-Aussteiger entführt haben

Kritik an neuem Gerichtssaal

Stuttgart.Nach der mutmaßlichen Entführung eines Aussteigers aus der kurdischen Arbeiterpartei PKK müssen sich vier Männer und eine Frau vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Der Hauptangeklagte soll der Bundesanwaltschaft zufolge für die verbotene terroristische Organisation seit Juli 2017 bis zu seiner Festnahme am 20. Juli 2018 das Gebiet Stuttgart und die gebietsübergreifende Region Baden-Württemberg geleitet haben.

Verhandlung unterbrochen

Es ist eine der ersten Verhandlungen im neugebauten Prozessgebäude Stammheim. Zum Auftakt gestern stieß der Saal auf massive Kritik. Eine Anwältin trug vor, ihr Mandant, der getrennt von ihr hinter Panzerglas saß, werde durch die Sicherheitsvorkehrungen stigmatisiert und vorverurteilt. Eine sachliche Notwendigkeit für die Maßnahmen sei nicht gegeben. Die anderen Verteidiger schlossen sich dem Antrag an, in einen anderen Saal umzuziehen. Noch vor der Verlesung der Anklageschrift wurde die Verhandlung unterbrochen – sie soll am 8. Mai fortgesetzt werden.

Den fünf wird zur Last gelegt, im April 2018 ein ehemaliges Mitglied der PKK entführt und versucht zu haben, es zur Rückkehr in die Organisation zu zwingen. Dabei soll der Aussteiger in einen Wagen gezerrt und in eine Gaststätte im Landkreis Göppingen gebracht worden sein. Stundenlang soll der 37 Jahre alte Hauptangeklagte ihn dort befragt haben. Drei Bewaffnete sollen dabei gewesen sein – die Maskierten hätten den Entführten geschlagen, sagt die Anklage. lsw