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Porträt Früherer Landtagspräsident Erich Schneider wird heute 85

Kümmerer aus „Liebe zu den Menschen“

Archivartikel

Gschwend.Erich Schneider (Bild) weiß selbst, dass sein Politikverständnis „ein wenig romantisch klingt“. Für ihn sei immer der Mensch das entscheidende Kriterium gewesen, unabhängig von der Partei, betont der langjährige Präsident des baden-württembergischen Landtags. „Für mich war Politik auch christliche Menschenliebe“, blickt Schneider am Tag vor seinem 85. Geburtstag zurück. Der Christdemokrat lebt bis heute in Gschwend im Ostalbkreis, wo er auf einem Bauernhof geboren wurde.

Auch als zweithöchster Repräsentant Baden-Württembergs – hinter den Ministerpräsidenten Lothar Späth und Erwin Teufel – hat sich Schneider nie in den Vordergrund gedrängt. Zehn Jahre bis 1992 war er Präsident des Landtags. Vielleicht gerade deshalb war er geachtet über die Grenzen der eigenen Partei hinaus. Er war Vizepräsident der Versammlung der Regionen Europas.

Das politische Geschäft gelernt hat Schneider in der Kommunalpolitik. Er durchlief die Kaderschmiede für den gehobenen Verwaltungsdienst, begann Mitte der 50er Jahre als Stadtinspektor seine politische Karriere und wurde 1960 zum Bürgermeister der Gemeinde Burgstall gewählt. „Als Bürgermeister weiß man, dass man für alle Bürger da sein muss“, sagt Schneider. Dieses Verantwortungsgefühl gehe „in der Politik heute manchmal unter“.

Kurz vor dem 60. Geburtstag verzichtete Schneider nach 24 Jahren als Landtagsabgeordneter auf eine erneute Bewerbung. 1993 wird er zum Präsidenten des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) gewählt. Da musste er rechtlich für ein Unternehmen mit 9000 Beschäftigten geradestehen, das sich bundesweit in 150 Jugenddörfern um junge Menschen kümmert. Geholt wurde er als Krisenmanager, denn das Sozialwerk hatte sich bei der Übernahme von mehreren Einrichtungen in den neuen Ländern verhoben. Noch heute sei er „dankbar, dass das alles gut ging“. Das sei mehr als ein Ehrenamt gewesen.

Übt bis heute Ämter aus

Ein paar Ämter sind bei dem 85-Jährigen bis heute geblieben. Er ist noch im Vorstand der Kinder- und Jugendstiftung des CJD. Unter deren Dach können Privatleute eine Stiftung gründen. Dies hat auch Schneider mit einer Stiftung zur Förderung der Berufsausbildung in Burundi gemacht, die er persönlich verantwortet. Das bettelarme zentralafrikanische Land hat ihn nie losgelassen. Als Landtagspräsident hat er eine Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi begründet, die bis heute besteht.