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Frankfurt Weil Bordelle wegen Corona geschlossen sind, nimmt die Straßenprostitution zu / Notfallplan für Drogenabhängige

Lage im Bahnhofsviertel spitzt sich zu

Archivartikel

Frankfurt.Verrammelte Restaurants, illegale Straßenprostitution, Trauben von Drogenabhängigen auf dem Bürgersteig: Die Folgen der Corona-Pandemie prägen das Bild im Frankfurter Bahnhofsviertel zum Jahresende. Junge Frauen in eng anliegender Bekleidung stehen allein oder in Grüppchen an Hausecken und warten auf Freier. Da Bars, Strip-Lokale und Bordelle im Rotlichtbezirk wegen Ansteckungsgefahr schließen mussten, suchen sich Prostituierte andere Wege, um Geld zu verdienen.

So auch Ana. „Ich gehe zu Stammkunden, die ich schon lange kenne“, erzählt die Prostituierte. So komme sie finanziell über die Runden. Neue Kunden auf der Straße anwerben wolle sie nicht – zu unsicher. „Wenn es Probleme gibt, gibt es niemanden, der mir hilft.“ Dass Bordelle zur Zeit geschlossen sind, kann sie angesichts hoher Infektionszahlen nachvollziehen. Zwischendurch aber seien sie in anderen Bundesländern wieder offen gewesen, kritisiert Ana, die seit zwölf Jahren als Prostituierte in Deutschland arbeitet. Die Polin darf kostenlos in dem Laufhaus in der Taunusstraße wohnen, in dem sie normalerweise arbeitet, das Sex Inn. „Die Situation ist angespannt“, sagt der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Landes- und Stadtpolizei sei im Einsatz, es gebe regelmäßige Kontrollen auch gegen Straßenprostitution, betont das Frankfurter Polizeipräsidium. Die Folgen der Pandemie treffen auch die Drogenabhängigen und die Stellen, an denen sie Hilfe finden. Die Konsumräume, in denen sie sich unter hygienischen Bedingungen Spritzen setzen können, mussten ihr Angebot reduzieren, um Abstände zu gewährleisten.

Um zunächst die Folgen der Pandemie zu lindern, hat Frankfurt nachgesteuert und einen Notfallplan auf den Weg gebracht, der zu Beginn des neuen Jahres greifen soll. Dazu zählen eine bessere medizinische und psychiatrische Versorgung, mehr Notschlafplätze und offene Konsumräume rund um die Uhr. Nach Angaben der Stadt leben derzeit zwischen 100 und 200 obdachlose Drogenabhängige im Bahnhofsviertel. lhe