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Bildung Neue Termine für alle Schulen ab 18. Mai angesetzt / Mündliches Abitur soll unmittelbar vor den Sommerferien stattfinden

Land verschiebt Prüfungen

Archivartikel

Stuttgart.Baden-Württemberg verschiebt erwartungsgemäß aufgrund der Corona-Krise den Beginn der Abitur- und anderen Schulabschlussprüfungen um mindestens vier Wochen. Geplant war der Beginn der Abiturprüfungen nach den Osterferien am 22. April, nun sollen die Prüfungen ab dem 18. Mai starten. Auch die anderen Schulabschlussprüfungen werden um mindestens vier Wochen nach hinten verschoben. Entsprechend verschieben sich auch die Termine für die mündlichen Prüfungen, die nun bis zum letzten Schultag des Schuljahrs, dem 29. Juli, angesetzt sind.

Faire Bedingungen schaffen

Damit folgt Baden-Württemberg dem Schritt von Bayern, das bereits in der vergangenen Woche die Prüfungstermine verschoben hatte. „Mit dem Terminplan wollen wir ermöglichen, dass die Schülerinnen und Schüler genügend Zeit für die Vorbereitung haben“, begründete Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die am Freitag bekannt gegebene Entscheidung. „Oberstes Ziel ist, dass alle faire Bedingungen für ihre Abschlussprüfungen bekommen.“

Zudem sagte Eisenmann zu, dass auch mit dem neuen Zeitplan eine rechtzeitige Bewerbung der Abiturienten für zulassungsbeschränkte Studiengänge möglich sei. „Darauf haben wir uns im Rahmen der Kultusministerkonferenz verständigt“, sagte sie. „Und wir haben auch die Fristen der beruflichen Ausbildung im Blick.“ Im Lauf der kommenden Tage und Wochen, müssten einige offenen Fragen, die sich durch die Verschiebung ergeben, noch geklärt werden. „Darüber wird das Kultusministerium zeitnah informieren“, sagte Eisenmann zu.

Wohl noch keine Entscheidung der Kultusministerin in ihrer Amtszeit wurde so einhellig von allen Beteiligten des Bildungswesens begrüßt wie diese Ankündigung. Lob kam auch von den in erster Linie Betroffenen. Der Landesschülerbeirat nannte die Verschiebung der Prüfungstermine „notwendig und alternativlos“ und lobte die Kommunikation mit dem Kultusministerium. „Wir begrüßen den Dialog und die Einbeziehung in aktuelle Entscheidungen“, sagte Leandro Cerqueira Karst, Vorsitzender des Landesschülerbeirats. „Ich bin froh, dass die Kultusministerin auch in der schwierigen Situation im persönlichen Kontakt mit uns steht.“

Auch mit den Lehrerverbänden hatte Eisenmann am Freitag per Telefonkonferenz die Situation besprochen. Ralf Scholl, Vorsitzender des Landesphilologenverbands, begrüßte, dass alle Beteiligten nun zunächst Klarheit hätten und die Abiturienten des Jahrgangs 2020 Gewissheit darüber, dass sie auch bei weiter anhaltenden Schulschließungen ihre Zeugnisse erhalten würden. Karin Broszat, Landesvorsitzende des Realschullehrerverbands, unterstützt die Entscheidung ebenfalls. „Das Kultusministerium hat die kritische Lage realistisch im Blick und fährt ,auf Sicht’. Das ist lobenswert“, so Broszat. Es dürfe in der aktuellen Lage keine Entscheidung zum Nachteil der betroffenen Schüler getroffen werden. „Schüler und Eltern erleben eine äußerst belastende Zeit. Alles, was sie unterstützt und stärkt, ist wichtig. Dazu gehören klare Strukturen und Entscheidungen, immer mit Blick auf die Entwicklung“, so Broszat weiter.

Wegfall der Drittkorrektur?

Der Landesverband der Berufsschullehrer nannte die Entscheidung in der aktuellen Lage ebenfalls richtig, warnte aber vor der bevorstehenden „besonderen Kraftanstrengung“. Diese könne durch zusätzliche Ressourcen sowie Freiräume und Flexibilität bei der Prüfungsgestaltung gemildert werden. „Das können zum Beispiel Korrekturtage, freiere zeitliche Anordnungen und Verkürzungen von Prüfungen sein“, sagte der Landesvorsitzende Thomas Speck. „Auch der Wegfall der Drittkorrektur beim Abitur könnte eine deutliche Entlastung bringen.“ Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Doro Moritz, twitterte am Freitag ebenfalls zustimmend: „Gut, dass die Entscheidung heute noch getroffen werden konnte.“

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