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Politik Bouffier und Hinz stellen Zwölf-Punkte-Plan vor / 200 Millionen Euro für 100 Millionen Bäume

Land will Wald mit Sofortprogramm retten

Archivartikel

Wiesbaden.Wie dramatisch die Lage im Wald ist, symbolisiert allein schon der Name des Sofortprogramms der hessischen Landesregierung zu seiner Rettung: Aus dem vor zwei Tagen angekündigten Zehn-Punkte-Plan ist bis zur Präsentation in der Wiesbadener Staatskanzlei am Freitag schon ein Zwölf-Punkte-Plan geworden. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) kündigen bis zum Jahr 2023 Maßnahmen mit Gesamtkosten von 200 Millionen Euro zur Beseitigung der Sturm-, Hitze- und Dürreschäden in Hessen an. Und niemand kann garantieren, dass es am Ende nicht noch mehr werden müssen.

Der Wald sei ein „kostbares Gut“ und wichtig für Umwelt und Klima, Freizeit und Erholung sowie auch als Wirtschaftsfaktor, betont Bouffier. Da könne das Land nicht einfach zuschauen, wenn er in einen solch bedrohlichen Zustand gerate. Schließlich ist Hessen mit einem Anteil von 42 Prozent an der Landesfläche eines der waldreichsten Bundesländer in Deutschland.

Gewaltiges Ausmaß der Schäden

Das gewaltige Ausmaß der Schäden macht Hinz mit einer Zahl deutlich: 20 000 Hektar oder die Größe von 28 000 Fußballfeldern misst die Fläche, die der langen Trockenheit der Sommer 2018 und 2019 sowie dem vorausgegangenen Sturmtief „Friederike“ zum Opfer fiel und wiederaufgeforstet werden muss. Das sind sage und schreibe 100 Millionen Bäume. Die meisten davon müssen neugepflanzt werden. Die Grünen-Politikerin Hinz will aber einen Teil auch durch natürliche Regeneration, sprich die in der Erde liegenden Samen der Bäume, zurückgewinnen. Doch bevor die neuen Bäume stehen oder gar wieder blühen, ist noch viel zu tun.

Punkt Eins des Programms ist daher auch die Unterstützung der privaten und kommunalen Waldbesitzer bei der Beseitigung der Waldschäden. Dafür sollen in den kommenden vier Jahren 50 Millionen Euro fließen, 30 Millionen davon vom Bund. Das ist Bouffier und Hinz zu wenig, denn das Geld aus Berlin wird nach dem Schlüssel der „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“ verteilt. Daher bekommt das Küstenland Schleswig-Holstein mit einem Waldanteil von nur zehn Prozent doppelt so viel wie Hessen mit seinem mehr als vier Mal so großen Anteil. Setzt sich Bouffier mit seinem Wunsch nach einem anderen Verteilsystem durch, steigen sowohl die Zuschüsse vom Bund als auch die anteiligen vom Land. Das will zudem noch die Wiederaufforstung auch in den privaten Wäldern fördern und dessen Besitzer auch bei Maßnahmen der Verkehrssicherung unterstützen.

Geld fließt auch in die Entwicklung von Organisationen zur Holzvermarktung, damit nach dem faktischen Zusammenbruch des Markts Absatzmöglichkeiten gefunden werden. Der landeseigene Betrieb Hessen Forst soll neben der Wiederherstellung des Baumbestands im Staatswald auch privaten und kommunalen Waldbesitzern bei der Aufforstung helfen. Welche Bäume dafür am besten geeignet sind, soll erforscht werden.

Mischbestand bevorzugt

Die Umweltministerin ist aber sicher, dass es auch künftig Mischwald sein wird. Und damit Hessen Forst das alles auch bewältigen kann, wird der schon begonnene Personalabbau von 2000 auf nur noch 1700 Beschäftigte in dem Landesbetrieb vorerst ausgesetzt. Außerdem gibt es noch ein Gebührenmoratorium für die Kommunen bei der Beteiligung an den Försterkosten, erleichterte Steuerstundungen für notleidende Waldbesitzer und mehr Schutz junger Bäume vor Wildschäden.

Der Opposition im Hessischen Landtag reicht das Programm nicht. Die angekündigten Maßnahmen seien längst überfällig, sagte der SPD-Abgeordnete Heinz Lotz. Nötig sei aber auch ein „Pakt für den Wald“ mit allen Beteiligten. Den fordert auch Wiebke Knell von der FDP, die zudem kritisierte, der Plan bleibe hinter den Notwendigkeiten zurück. Und der Linke Torsten Felstehausen forderte, mit einer Verkehrs- und Energiewende die Ursachen der Klimakatastrophe anzugehen.