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Forschung Klose kündigt Studie zur Infektion von Kindern an

Land will wieder deutlich mehr testen

Archivartikel

Wiesbaden.Dass die Zahl der Corona-Infizierten derzeit nur sehr maßvoll steigt, könnte auch daran liegen, dass einfach weniger Menschen getestet werden als noch vor Wochen. Darauf hat der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag in seiner Regierungserklärung zu der Virus-Pandemie vor dem Wiesbadener Landtag hingewiesen. Und er kündigte auch gleich Konsequenzen an: In Hessen soll es demnächst wieder deutlich mehr dieser Tests geben. Die Laborkapazitäten und neue Testverfahren ließen das zu, sagte der für das Gesundheitswesen zuständige Minister. Nur so könne man sich einen möglichst guten Überblick über die Entwicklung verschaffen, „denn wenn wir lockern, werden sich auch wieder mehr Menschen infizieren“.

Mehr testen lassen will Klose vor allem dort, „wo ein Infektionsausbruch schnell dramatische Folgen haben kann“, nämlich in den Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen. Er plädiert für ein möglichst einheitliches Vorgehen in diesen Einrichtungen mit dem Ziel, dass akut Infizierte entweder gar nicht erst hineingelangten oder aber räumlich getrennt behandelt werden. Wie akut dieses Problem ist, zeigt auch die jüngste Statistik des Sozialministeriums. Die Zahl der nachweislich mit dem Virus Infizierten in Hessen stieg bis Dienstag 14 Uhr gegenüber dem Vortag lediglich um 44 auf nunmehr 8585 an. Zugleich wurden aber 13 weitere Tote registriert, so dass mittlerweile schon 384 Menschen an den Folgen der Virusinfektion gestorben sind. Mit 53 solcher Todesfälle klar an der Spitze liegt der Odenwaldkreis, wo sich in mehreren Pflegeheimen Dutzende Bewohner angesteckt hatten.

Unbemerkte Ansteckung

Doch der Minister nimmt nicht nur die Ältesten, sondern auch die Jüngsten in den Blick: Die Virologen der Frankfurter Uniklinik unter Leitung der Professorin Sandra Ciesek führt auch eine Studie über Infektionen bei Kindern durch, wie Klose ankündigte. Konkret sollen die Stuhlproben betreuter Kinder untersucht werden, in denen das Virus ebenfalls nachweisbar ist. Als Hintergrund des Vorhabens nannte er, dass infizierte Kinder häufig keine Symptome zeigen, aber dennoch unbemerkt ansteckend wirkten. Klose wies darauf hin, dass im Februar und März wesentlich mehr Menschen auf das Virus getestet worden waren als jetzt. Die Gründe liegen auf der Hand: Im Winter melden sich viel mehr Menschen mit Erkältungssymptomen beim Arzt als im Frühling, und außerdem kamen damals noch viele aus Risikogebieten im Ausland zurück. Klar sei aber auch: „Wenn wir mehr testen, werden wir auch wieder mehr bestätigt positive Personen sehen.“ Dann müssten auch mehr Kontaktpersonen identifiziert werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen. Dafür wolle er sich um mehr Personal für die zuständigen Gesundheitsämter bemühen.

Die Oppositionsparteien mokierten sich darüber, dass Klose noch vor wenigen Tagen im Sozialausschuss des Landtags eine von ihnen geforderte Test-Offensive abgelehnt hatte. Dass der Minister dazugelernt habe, werteten sie als Zeichen dafür, wie das Parlament als „Herz der Demokratie“ – so SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser – auch in der Krise wirkt. Die SPD-Politikerin wie auch FDP-Fraktionschef René Rock nannten es ausdrücklich richtig, dass sie gerade zu Beginn der Krise mit der Regierung an einem Strang gezogen und beispielsweise dem milliardenschweren Nachtragshaushalt zugestimmt haben.

Zugleich machten sie aber deutlich, dass sich der Schulterschluss von Koalition und Opposition dem Ende nähert. „Die Opposition guckt ihnen wieder auf die Finger“, sagte Rock und warf dem Sozialminister ebenso wie zuvor Faeser vor, den Menschen keine Perspektiven zu geben. Volker Richter (AfD) nannte die Lockerung der Corona-Beschränkungen „zu zaghaft“. Janine Wissler, Fraktionschefin der Linken, forderte, den Spielraum vor allem für Kinder und Familien zu nutzen.