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Politik Ehemaliger Ministerpräsident Kurt Beck wird 70 – im Lande höchst populär, als Parteichef im Bund gescheitert

Lebensmotto: „Nah bei de Leut“

Mainz.An seiner langjährigen Wirkungsstätte in der Mainzer Staatskanzlei wird Kurt Beck heute Abend mit einem großen Empfang zu seinem 70. Geburtstag geehrt. Und es ist natürlich kein Zufall, dass die Geburtstagsfeier für den ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten in der Landeshauptstadt und nicht etwa im Willy-Brandt-Haus der SPD in Berlin stattfindet. Zwar war Beck von 2006 bis 2008 auch Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten, doch bei dem Ausflug in die Bundespolitik fremdelte er eher, und die Amtszeit endete unglücklich. In Rheinland-Pfalz war der Südpfälzer dagegen bis zu seinem gesundheitsbedingten Rücktritt 2012 höchst erfolgreich und ist er bis heute ungebrochen populär.

Neben seiner Nachfolgerin Malu Dreyer als Gastgeberin und Hauptrednerin werden zu dem Empfang im Festsaal der Staatskanzlei auch Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, fast all seine einstigen Kabinettsmitglieder und natürlich viele aktuelle und ehemalige Landtagsabgeordnete erwartet. Reden werden neben Dreyer auch ZDF-Intendant Thomas Bellut und Theresia Riedmaier, die ehemalige Landrätin des Kreises Südliche Weinstraße, in dem Beck geboren ist und noch heute lebt. Doch hat er sich auch gut sechs Jahre nach dem Abschied aus der aktiven Politik noch keineswegs aufs Altenteil zurückgezogen. Vor allem der Vorsitz der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung, den Beck seit 2013 innehat, „ist zwar ein Ehrenamt, aber in der Praxis eigentlich ein Fulltime-Job“, wie er kürzlich im Südwestrundfunk sagte. Franz Müntefering, Sigmar Gabriel, Martin Schulz, Andrea Nahles: Vier weitere Vorsitzende zählt die altehrwürdige Sozialdemokratie schon nach Becks Rücktritt vor etwas mehr als zehn Jahren. Dass ihn die aktuelle Lage der Partei mit Umfragewerten um 15 Prozent schmerzt, verhehlt der Exparteichef nicht. Doch er käme nicht auf die Idee, Nachfolger frontal anzugreifen. Gewisse Gemeinsamkeiten zu seinem eigenen Schicksal in Berlin sieht Beck indes mit Martin Schulz, der ebenfalls von außen in die Bundespolitik kam und dort nicht ankam. Der vormalige Europapolitiker „wurde nach und nach von diesem Berliner Politikstil vereinnahmt, von diesem Berlin-Sprech, den sie ihm im Willy-Brandt-Haus aufgeschrieben haben, anstatt ihn bei seinen Reden mit Wärme überzeugen zu lassen. Ein kapitaler Fehler“, beklagt Beck den Umgang mit Schulz in der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“.

Und denkt dabei an seine eigenen Erfahrungen während des zweieinhalb Jahre dauernden Ausflugs in die Bundespolitik zurück. Viel Zeit habe er damals darauf verwenden müssen, gegen die Berliner „Arroganz“ zu kämpfen und die von Kritikern verbreitete Lesart, da komme einer aus der Provinz in die hohe Bundespolitik. Am Ende waren es in Becks Augen „Heckenschützen“, die ihm im September 2008 bei dem berühmten „Drama am Schwielowsee“ zu Fall brachten. Bei der Klausurtagung in Brandenburg hätte er als Parteichef Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten der SPD verkünden sollen. Doch sein Name wurde aus der Parteizentrale vorzeitig durchgestochen. Dem so brüskierten Beck platzte der Kragen, er verkündete seien Rücktritt. Vor allem Müntefering, der dann sein Nachfolger als SPD-Vorsitzender wurde, grollt er noch immer.

Überraschende Wahl

Doch zu Hause in Rheinland-Pfalz ging Becks Karriere ungebrochen weiter. Insgesamt 18 Jahre war er Ministerpräsident des Landes, die Amtszeit wurde nur vom CDU-Regierungschef Peter Altmeier übertroffen. 2006 holte der rote Beck im einst schwarzen Rheinland-Pfalz sogar die absolute Mehrheit der Sitze. Regiert hat er in Mainz sowohl mit der FDP als auch den Grünen. Ein Erfolgsrezept des in Bergzabern geborenen Maurersohns Beck ist das von ihm nicht nur verbal propagierte Motto „Nah bei de Leut“. Einen Schatten auf seine letzte Amtszeit warf die Affäre um den Nürburgring. Da sei er zu vertrauensselig gewesen, sagt er heute. Ungeteilten Beifall erhält er dagegen nach wie vor für die seinerzeit recht überraschende Wahl seiner Nachfolgerin: Malu Dreyer setzte 2016 Becks Siegesserie eindrucksvoll fort und steht ihm an Popularität nicht nach.