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Bildung Kinder und Jugendliche mit Hauptschulempfehlung tun sich mit mittlerer Reife schwerer

Lehrer mit Leistungsstufen überfordert

Archivartikel

Stuttgart.Die Lehrer an den baden-württembergischen Realschulen klagen. Schüler mit Hauptschuleignung hätten Schwierigkeiten, auf dem Weg zur mittleren Reife mitzuhalten. „Zum einen leiden die Kinder mit einer Eignung für Realschulen, zum anderen die Kinder, die eigentlich auf einer Hauptschule unterrichtet werden müssten. Als Folge müssen sich die Lehrer zerreißen, damit sich wegen der unterschiedlichen Leistungsniveaus kein Schüler vernachlässigt fühlt“, sagt Karin Broszat, Vorsitzende des Realschullehrerverbands Baden-Württemberg.

Sie fordert Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dazu auf, hier Änderungen anzugehen. Hintergrund ist eine alte Reform, die noch unter der grün-roten Vorgängerregierung umgesetzt wurde. 2015 beschloss der Landtag, dass Schüler an den Realschulen nach Klasse neun auch einen Hauptschulabschluss absolvieren können. Bis zu der Reform damals konnten Realschüler den Hauptschulabschluss nur mit einer Schulfremdprüfung an einer Hauptschule ablegen.

Wechsel in zunehmendem Maße

Zusammen mit der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung – ebenfalls unter Grün-Rot – führte dies dazu, dass Schüler mit einer Hauptschulempfehlung in zunehmendem Maße an Realschulen wechselten. Mit neuen Bildungsplänen wurden dann im Schuljahr 2016/2017 an den Realschulen in den Klassen fünf und sechs neue Orientierungsstufen geschaffen. In diesen werden seitdem Schüler mit Eignung für Haupt- wie Realschulen gemeinsam unterrichtet – allerdings auf Realschulniveau. Erst ab der siebten Klasse wird dann entschieden, ob die Kinder auf M-Niveau, was der Realschule entspricht, oder dem G-Niveau, also auf dem Level der Hauptschule, unterrichtet werden. Momentan läuft das vierte Schuljahr mit dem Konzept an den mehr als 400 Realschulen Baden-Württembergs. „Die Kinder mit Hauptschulempfehlung haben große Schwierigkeiten mitzuhalten“, sagt Broszat.

„Nehme Rückmeldung ernst“

„Von den Schwierigkeiten in der Orientierungsstufe höre ich schon seit Längerem in zahlreichen Gesprächen mit Lehrkräften und Schulleitern vor Ort und ich nehme diese Rückmeldungen sehr ernst“, erklärt Eisenmann gegenüber dieser Zeitung. Zentrale Stellschraube sei, die Grundschulempfehlung wieder verbindlicher zu regeln. „Die hohe Heterogenität stellt vor allem an den Realschulen eine enorme Herausforderung für die Lehrer dar“, sagt Eisenmann weiter. Eine Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung plant sie aber nicht.

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