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Unterricht Verband Bildung und Erziehung mahnt zu mehr Barrierefreiheit in Schulen und zu kleineren Klassen

Lehrer: Probleme bei Umsetzung von Inklusion

Archivartikel

Stuttgart.Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht an den baden-württembergischen Schulen große Defizite bei der Inklusion, also beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Zudem seien noch immer viel zu wenige Schulen barrierefrei. Dies ist das Ergebnis einer bundesweiten Forsa-Umfrage, bei der auch 500 Lehrkräfte in Baden-Württemberg befragt wurden.

„Nur 15 Prozent der Schulen in Baden-Württemberg sind vollständig barrierefrei“, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand am Montag in Stuttgart. Der Wert verharre auf niedrigem Niveau. Noch schlechter ist es um die Grundschulen bestellt, bei denen nur elf Prozent der Lehrer angaben, ihre Schule sei vollständig barrierefrei. Zudem sei fast die Hälfte aller allgemeinbildenden Schulen im Südwesten überhaupt nicht barrierefrei, so Brand. Bei den Grundschulen „sind es sogar fast 60 Prozent“. Barrierefrei meine nicht nur den stufenlosen Zugang oder einen Fahrstuhl. So bräuchten Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen schallgeschützte Räume. „Die Kommunen sind hier nicht bereit, mehr zu investieren“, sagte Brand zur Verantwortung der Schulträger vor Ort.

Geld nicht vollständig abgerufen

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist ebenfalls mit der geringen Quote unzufrieden. „Sicherlich sind hier zunächst die Schulträger in der Verantwortung“, erklärte auch die CDU-Politikerin. Allerdings würden die Gelder, die das Land seit 2015 für inklusionsbedingte Schulumbauten zur Verfügung stelle, nicht vollständig abgerufen. Das Land finanziert Baumaßnahmen, wenn diese durch die staatlichen Schulämter veranlasst werden, mit bis zu 100 Prozent.

Bedenklich sei auch, so Brand, dass im Südwesten laut der Umfrage die Schülerzahl in inklusiven Klassen weiter ansteige. Im Schnitt befinden sich in den inklusiven Klassen der allgemeinbildenden Schulen im Südwesten 20,4 Schüler. Vor drei Jahren waren es noch 17,8. „Jedes Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt eine zusätzliche Herausforderung für den Unterricht und die betreffenden Lehrkräfte dar“, sagte Brand. Angemessen gefördert werden könnten behinderte Kinder nur in kleinen Klassen. Weiter kam bei der Umfrage heraus, dass sich Lehrkräfte im Südwesten nicht ausreichend vorbereitet sehen. So gab mehr als jeder Fünfte an, er habe höchstens eine Woche Zeit gehabt, um sich auf den Unterricht einer inklusiven Lerngruppe vorzubereiten.

Vor fünf Jahren wurde die Inklusion im baden-württembergischen Schulgesetz verankert. Eisenmann verwies darauf, dass seitdem über 1000 neue Lehrerstellen zur Umsetzung der Inklusion geschaffen worden seien. Zudem würde das Land mit Unterstützungsangeboten die Lehrkräfte in der Praxis begleiten.

Für FDP-Bildungsexperte Timm Kern zeigte die Studie, dass es bei der Inklusion noch viele Defizite gibt. SPD-Bildungsexperte Gerhard Kleinböck erklärte: „Der VBE legt den Finger in die Wunde.“

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