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Verkehrsprojekt Der geplante Weiterbau der A 49 im Dannenröder Forst bringt den grünen Verkehrsminister Al-Wazir in Bedrängnis

Linker Protest gegen den Kahlschlag

Wiesbaden/Homberg.Demonstrativ haben die Linken im Hessischen Landtag am Dienstag ihre Fraktionssitzung von Wiesbaden in den Dannenröder Forst in Mittelhessen verlegt, wo in Kürze 27 Hektar Wald für den Weiterbau der Autobahn 49 gerodet werden sollen. Erwartungsgemäß bekundete der stellvertretende Fraktionschef Jan Schalauske den mehreren Hundert gegen das Vorhaben kämpfenden Aktivisten vor Ort die Solidarität der Partei und sprach von einem „Planungsdinosaurier der 1960er-Jahre“.

Von den Grünen, die in Nordrhein-Westfalen einmal einen ganzen Parteitag in den ebenfalls zur Abholzung vorgesehenen Hambacher Forst verlegt hatten, können die Waldbesetzer in Hessen keine derartige Solidaritätsaktion erwarten. Sie haben die A 49 im Koalitionsvertrag mit der CDU in Wiesbaden abgesegnet, Und den jetzt in der Landesregierung offiziell für den Autobahnbau zuständigen grünen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir haben die Autobahngegner inzwischen mehr oder weniger zum Buhmann erklärt.

Doch der erscheint alles andere als glücklich mit der ihm zugewiesenen Rolle. Schließlich haben die Grünen den Bau der A 49 von Kassel nach Gießen immer abgelehnt. Al-Wazir erinnert daran, dass es dagegen CDU, SPD und FDP waren, die das Projekt in den letzten 40 Jahren stets befürwortet und schließlich auch beschlossen haben. „Wir müssen schlicht feststellen, dass wir diesen Kampf verloren haben“, resümiert er auch mit Blick auf die Wahlergebnisse in der Region, die immer eine Zustimmung zu dem Autobahnbau angezeigt hätten. Den jetzt in Mittelhessen anstehenden Bau des 17,5 Kilometer langen Teilstücks von Stadtallendorf nach Gemünden muss Al-Wazir daher in Auftragsverwaltung des Bundes ausführen, nachdem nicht nur der Bundestag die A 49 beschlossen, sondern auch das Bundesverwaltungsgericht Klagen dagegen abgelehnt und den Planfeststellungsbeschluss für gültig erklärt hatte.

„Beim Waldspaziergang am Wochenende waren wir 800 Menschen, und derzeit sind im Wald immer zwischen 50 und 200 Leute“, sagt Jasper Reimann von der „Task Force Dannenröder Forst“, dem Zusammenschluss der Aktivisten gegen den Autobahnbau vor Ort. Zu den zur Rodung im Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm) 27 Hektar Wald kommen weitere 34 Hektar im weiter nördlich gelegenen Herrenwald. Von Stadtallendorf-Nord nach Schwalmstadt ist noch ein zweiter, 13,5 Kilometer langer Bauabschnitt der A49 geplant. Die Waldbesetzer verweisen darauf, dass der Mischwald absolut gesund ist, in einem Teilbereich stünden über 150 Jahre alte Eichen und Buchen.