Länder

Nahverkehr Ausbildungsbeginn für Hermanns Zugführer-Bereitschaft / 1,6 Millionen Euro Kosten für das Land

Lokführerpool in der Aufwärmrunde

Archivartikel

Stuttgart.1,6 Millionen Euro lässt sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) einen Pool von 50 Lokführern kosten, die für weniger Zugausfälle sorgen sollen. Diese Summe nannte der Minister gestern anlässlich des Ausbildungsstarts der ersten 30 Zugführer für das bundesweit einmalige Modell. „Der Markt alleine regelt das Problem nicht“, sagte der Grünen-Politiker.

Eigentlich sollte der Bereitschaftsdienst bereits im Januar beginnen. Doch der Start musste mehrfach verschoben werden. Zunächst lehnten Interessenten das Angebot des Landes als „wirtschaftlich nicht tragfähig“ ab. Dann musste man einräumen, dass angesichts des immensen Fachkräftemangels kein qualifiziertes Personal zu bekommen war. Daraufhin entschied sich die DB Regio als Partnerin des Landes für die Ausbildungsvariante. Mitte 2021 soll es richtig losgehen.

Als Quereinsteiger geht für Marcel Deuschle ein Traum in Erfüllung. Der 24-Jährige hat in Ostfriesland eine Ausbildung im Hotelbereich absolviert und das Fachabitur gemacht, ehe die Corona-Krise für beruflichen Stillstand sorgte. Der in Villingen-Schwenningen geborene Mann zog für die neue Chance sogar zurück in die Heimat: „Lokführer ist ein Kindheitstraum.“

Eigentlich wollte Hermann mit Lokführern in Sitzbereitschaft Zugausfälle durch kurzfristige Krankheitsfälle reduzieren. „Das ist nicht möglich“, weiß er inzwischen. Denn die Bereitschaftskräfte sollen an den Einsatzstellen Stuttgart, Heilbronn, Ulm, Tübingen und Villingen-Schwenningen sitzen. Da bräuchten sie zu lange, um akute Engpässe zu verhindern. Der badische Landesteil geht vorläufig leer aus.

Die Lokführer aus dem Pool sollen jetzt bei längeren Erkrankungen einspringen. „Davon gibt es eine Menge“, erklärte Hermann. Den Bedarf müssen die Streckenbetreiber 70 Tage im Voraus anmelden.

Der Preis für die Leih-Lokführer wird nach Hermanns Angaben über dem Tarif liegen. So soll verhindert werden, dass die Unternehmen ihre eigenen Ausbildungsanstrengungen vernachlässigen. Das finanzielle Risiko des Modells trägt allerdings das Land. Hermann: „Gibt es einen Gewinn, wird dem Land die Anschubfinanzierung zurückgezahlt. Defizite teilen sich Land und DB Regio.“ Für David Weltzien, den Landeschef von DB Regio, geht es nicht ums Geld verdienen. „Wir wollen eine robustere Gestaltung und Stabilisierung der umweltfreundlichen Mobilität.“ Wenn der Pool nicht ausgelastet ist, können die Lokführer für die Bahntochter fahren.

Im Schienennahverkehr geht es nach Hermanns Ansicht nicht um Konkurrenz. Um das politische Ziel einer Verdopplung der Bahnfahrer bis 2030 zu erreichen, müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen: „Wir wollen, dass das System als Ganzes gut funktioniert.“

Zum Thema