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Glücksspiel Neue Ausschüttungsregeln und Preiserhöhung um 20 Prozent / Staatliche Anbieter unter Druck

Lotto sucht neue Wege zu den Spielern

Archivartikel

Stuttgart.Die staatlichen Lottogesellschaften wollen über Angebote im Internet neue Kunden gewinnen. „Das Wachstum im Glücksspiel geht an den staatlichen Anbietern vorbei“, erklärte der baden-württembergische Toto-Lotto-Chef Georg Wacker am Mittwoch in Stuttgart. Neue Wege sind auch notwendig, weil die Zahl der Annahmestellen seit Jahren sinkt. Zugleich wollen die Lottoanbieter die Zahl der Millionengewinne steigern, um den Spielern die für September geplante Preiserhöhung um 20 Prozent bei 6aus49 schmackhaft zu machen. Wacker: „Ob das akzeptiert wird, hängt von den Vorteilen für die Kunden ab.“

Wacker zog für 2019 eine gemischte Bilanz. Der Umsatz im Südwesten ist um ein Prozent auf 978 Millionen Euro gefallen, vor allem durch Rückgänge beim Eurojackpot. Gleichzeitig wurden in Baden-Württemberg 23 Millionengewinne ausgelost, so viele wie seit 2011 nicht mehr. Trotzdem sprach Wacker von einem „sehr schwierigen Markt“. Dazu verweist er auf die wachsende Konkurrenz durch die eigentlich illegalen privaten Onlineanbieter.

„Onlineangebote sind attraktiv für Jüngere“, sagte Wacker. Diesen Vertriebsweg wollen die staatlichen Anbieter deshalb ebenfalls ausbauen. Derzeit läuft ein Antrag, dass Rubbellose über das Internet verkauft werden dürfen. Knapp ein Zehntel der Umsätze machte Lotto Baden-Württemberg dort im letzten Jahr. Das Plus von 13,5 Prozent reicht Wacker nicht: „Wir wollen unsere Produkte stärker online vermarkten.“ Ein weiterer Grund ist die schrumpfende Zahl von Annahmestellen. Von den 3700 Läden Anfang des Jahrtausends sind 3138 übrig. Durch das Ladensterben in ländlichen Regionen fehlen vielerorts potenzielle Partner. Um die Stammkunden zu halten, wurden Lotto-Quick-Annahmestellen an acht Orten getestet. Dort sollen die Spieler „im Vorbeigehen“ ihre Tippscheine abgeben können. Wacker: „Wir werten gerade die Ergebnisse aus und schauen, ob sich das Modell eignet.“

Im Blick auf die laufende Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags forderte Wacker von der Politik, härter gegen illegale Anbieter vorzugehen. Deren Umsätze seien in Deutschland im Jahr 2018 auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen, knapp ein Fünftel des gesamten Glücksspielmarktes. Dabei seien Onlinecasinos in Deutschland illegal. „Es kann nicht sein, dass die Politik nichts tut“, sagte der Lotto-Manager. Die Aufsicht brauche auch in Baden-Württemberg zusätzliches Personal, zur effektiveren Kontrolle der häufig in Malta oder Gibraltar ansässigen Firmen sei eine länderübergreifende Behörde notwendig.

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