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CDU-Spitzenkandidatur Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises tritt gegen Frankenthaler Christian Baldauf an

Marlon Bröhr, der „Provokateur“

Archivartikel

Mainz.Vor dem Landesparteitag der CDU Rheinland-Pfalz am Samstag steht nur eines fest: Zu einer Neuauflage des Duells zwischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihrer langjährigen Rivalin Julia Klöckner wird es bei der Landtagswahl 2021 nicht kommen. Die 46-Jährige bleibt zwar CDU-Landesvorsitzende, will sich beruflich aber ganz auf ihr Amt als Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz konzentrieren.

Stattdessen galt Klöckners Vorgänger und Nachfolger als Chef der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf (linkes Bild), seit ihrem Verzicht auf eine neuerliche Spitzenkandidatur als unbestrittener Herausforderer Dreyers. Jetzt muss der 52-jährige Rechtsanwalt aus Frankenthal aber doch noch zittern, ob er als Spitzenkandidat nominiert wird. Zwar hat ihn der Landesvorstand bereits im Juni einstimmig nominiert. Doch gut zwei Wochen vor dem Parteitag hat sich mit dem streitbaren Landrat Marlon Bröhr (Rhein-Hunsrück-Kreis, rechtes Bild) noch ein Gegenkandidat gemeldet. Und der 45-jährige frühere Zahnarzt aus Mönchengladbach zieht alle Register. Medienwirksam postete er zur Bekanntgabe seiner Kandidatur Ende Oktober ein Foto auf Facebook. Zu sehen war eine Urlaubsaufnahme in Kroatien: Bröhr mit der Hand am Steuerrad seines Segelboots und der Unterschrift „Frischer Wind“.

Der Selbstbewusste kritisiert in Interviews, dass die CDU 30 Jahre lang keine Landtagswahl in Rheinland-Pfalz mehr gewonnen habe, der Spitzenkandidat von vier, fünf Akteuren – „meist älteren Herren“ – ausgesucht werde und nur er selbst glaubwürdig einen Neuanfang symbolisieren könne. Tatsächlich gehört Bröhr nicht einmal dem CDU-Landesvorstand an, für den er 2016 nach scharfer Kritik am Parteiestablishment vergeblich kandidiert hatte. Einen Namen hat sich der Landrat auch mit seinem beharrlichen Widerstand gegen den Bau der geplanten Mittelrheinbrücke gemacht. Aber auch eigene Parteifreunde stufen Bröhr als „Provokateur“ ein, und bei einer Wahl der 450 Delegierten in Neustadt wäre Baldauf wohl der Favorit.

Allerdings wird vor der Wahl des Spitzenkandidaten auf dem Parteitag über einen Antrag des CDU-Gemeindeverbands Kirchberg abgestimmt, die Position in einem Mitgliederentscheid vergeben zu lassen.

Spürbare Nervosität

Das macht die Verantwortlichen in der CDU-Landesgeschäftsstelle spürbar nervös. Schließlich wird auch in der Bundespartei über ein derartiges Verfahren zur Kür des nächsten Kanzlerkandidaten diskutiert. Und vor allem: Landesparteichefin Klöckner hatte selbst einen Mitgliederentscheid für den Fall ins Gespräch gebracht, dass es mehrere Kandidaten gibt. Bröhr selbst sagt, eine Auswahl durch 40 000 Parteimitglieder habe mehr Schlagkraft als die Entscheidung von 400 Delegierten.

Demonstrative Gelassenheit

Baldauf reagiert mit demonstrativer Gelassenheit. „Ich traue mir zu, zu gewinnen“, sagt er und verzichtet auf persönliche Angriffe. Er hatte Bröhr auch eine Position in seinem Wahlkampfteam angeboten. Ob das nach einer Abstimmung noch infrage kommt, lassen beide offen. In der Partei wird Baldauf hoch angerechnet, dass er 2010 zugunsten Klöckners auf Parteivorsitz und Spitzenkandidatur verzichtet hatte. Als zurückgekehrter Oppositionsführer im Mainzer Landtag habe er an Statur gewonnen, heißt es.

Und natürlich ist Baldauf auch der Wunschkandidat Klöckners. Öffentlich hält sie sich zurück. Sie wolle ihm nicht schaden, heißt es in der CDU. (Bilder: DPA)

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