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Schienennetz Zustand der Bauten in Hessen besser als im Bundesdurchschnitt / Gewerkschaftsvertreter Peter Reitz sieht bedenklichen Zustand

Mehr als 70 Eisenbahnbrücken marode

Frankfurt.Für den Laien ist der Zustand einer Brücke kaum zu erfassen. Kleinere Risse oder Rostflecken an der Oberfläche sagen oft nichts über die Tragfähigkeit aus. Dazu müssen Ingenieure genauer hinschauen. Allein in Hessen müssen von den rund 2100 Eisenbahnbrücken der Bahn mittelfristig 73 komplett erneuert werden, wie eine Bahn-Sprecherin in Frankfurt mitteilte. Von den 76 Brücken, die zusätzlich von der Hessischen Landesbahn und der Regionalbahn Kassel betrieben werden, soll zunächst keine erneuert werden, wie aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Allerdings stehe bei rund zwei Dutzend eine Nachbesserung an.

Verschiedene Kategorien

Mit bundesweit etwa 25 000 Bauwerken ist die Bahn einer der Hauptbetreiber von Brücken und versucht seit Jahren dem entsprechend großen Sanierungsbedarf hinterherzukommen. Das Unternehmen und das Eisenbahnbundesamt stufen sämtliche Brücken je nach Zustand in Kategorien ein. Die schlechteste Kategorie 4 bedeute, dass aus wirtschaftlichen Gründen ein Neubau der Brücke einer Instandsetzung vorzuziehen ist, erklärt Brückenexperte Balthasar Novák von der Universität Stuttgart. Auch diese Brücken seien aber sicher, sonst wären sie für den Betrieb gar nicht mehr zugelassen.

Wann der Neubau fällig wird, hänge vom „individuellen Schadensbild“ ab, erläutert er. Das kann nach Angaben der Bahn bis zu 15 Jahre – teilweise länger – dauern. Jede Eisenbahnbrücke wird nach Angaben Nováks im Drei-Jahres-Rhythmus von internen Spezialisten der Bahn geprüft. Entscheidend seien das Innenleben und die Ergebnisse der statischen Berechnungen der Ingenieure.

Der Zustand der Eisenbahnbrücken in Hessen ist – misst man ihn anhand der Anzahl der Brücken aus der Kategorie 4 – besser als im Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit weisen laut Bahninformationen fünf Prozent der Brücken so gravierende Schäden auf, dass sie perspektivisch ersetzt werden müssen. In Hessen liegt diese Quote bei rund 3,5 Prozent.

Milliardeninvestitionen geplant

Die Bahn sehe sich dennoch auf einem guten Weg, den Sanierungsbedarf kontinuierlich abarbeiten zu können, erklärt eine Sprecherin. „Der Zustand unserer Brücken ist seit Jahren gut, alle Brücken der DB sind sicher“. Mit dem Bund gebe es eine Vereinbarung, dass zwischen 2015 und 2019 insgesamt 875 Brücken erneuert werden sollen – davon 107 in Hessen. Bis Beginn 2019 seien davon bundesweit bereits 700 Brücken fertiggestellt worden. Der Bund als Eigentümer und die Bahn setzen mit dem Investitionspaket von rund 28 Milliarden Euro derzeit das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte der Bahn um, wie die Sprecherin der Bahn mitteilt.

Abgesehen von den Brücken sei von dem Geld bereits die Hälfte des Schienennetzes modernisiert und ein Großteil der Infrastrukturmängel beseitigt worden. Für die Sanierungen brauche die Bahn sich nicht selbst zu beweihräuchern, kritisiert der Sprecher der Eisenbahnverkehrsgewerkschaft, Peter Reitz. „Hier werden die dringlichsten Löcher gestopft und das leider viel zu spät.“ Etliche Brücken seien in einem „bedenklichen Zustand“. Es bräuchte eine Generalüberholung der Schienen und Brücken. „Doch es wird mehr geredet als getan“, sagt Reitz.

Nach Einschätzung des Brückenexperten Novák können sich der Zustand und die engmaschigen Kontrolle der deutschen Bahnbrücken im internationalen Vergleich sehen lassen. Dennoch sei zugegebenermaßen in den vergangenen Jahren wegen knapper finanzielle Mittel ein Sanierungsstau entstanden, der nun abgebaut werden soll, sagte die Bahn-Sprecherin.