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Schulen Rheinland-pfälzische Ministerin Stefanie Hubig sitzt 2020 der Kultusministerkonferenz vor / Gleiche Chancen auf gute Bildung

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Archivartikel

Wiesbaden/Mainz.Nicht nur der Rhein trennt den bisherigen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz (KMK) von seiner Nachfolgerin. Mit dem Wechsel vom Hessen Alexander Lorz (CDU) zur Rheinland-Pfälzerin Stefanie Hubig gelangen die sogenannten A-Länder, also die von der SPD geführten Länder, wieder an die Leitung der zentralen Runde zur bildungspolitischen Abstimmung.

„Bei aller Berechtigung des föderalen Bildungssystems wollen wir ein Stück weit gemeinsame Wege gehen“, sagte Hubig. „Wir stehen in allen Ländern vor vergleichbaren Herausforderungen, beispielsweise bei der Chancengerechtigkeit. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Kinder die gleichen Chancen auf gute Bildung bekommen.“

Tiefere Gedenkkultur

Ihren KMK-Vorsitz im Jahr 2020 hat die Bildungsministerin unter das Motto gestellt: „Europa (er)leben und gestalten“. Schließlich übernimmt Deutschland im neuen Jahr auch die EU-Präsidentschaft. „In einer Zeit, in der viele versuchen, die EU anzugreifen“, sei es wichtig, den Wert Europas für Frieden, Freiheit und Wohlstand zu vermitteln, sagte Hubig. „Dazu gehört auch Demokratiebildung.“ Die Ministerin hat sich im zurückliegenden Jahr dafür eingesetzt, die Gedenkkultur an den Schulen zu vertiefen. Vorgesehen ist, dass alle Jugendlichen mindestens einmal eine NS-Gedenkstätte oder einen anderen Ort des Erinnerns besuchen.

Der scheidenden KMK-Präsident Lorz begrüßt das Schwerpunktthema, vor allem mit Blick auf den Brexit: „Ich glaube, es ist schon sehr treffend, sich vor diesem Hintergrund Gedanken darüber zu machen, welche Rolle Deutschland in Europa spielen soll“, sagte er. Kurz vor Ende seiner Amtszeit zog er ein positives Fazit: „Es war sicherlich eines der turbulenteren Jahre einer KMK-Präsidentschaft, aber auch eines, in dem sich sehr viel bewegt hat.“

Dazu zählt Lorz den Abschluss des Digitalpaktes zwischen Bund und Ländern, die Empfehlungen zur Bildungssprache Deutsch und die ersten Schritte hin zu einer Vereinbarung, mit der die Länder ihre Zusammenarbeit in Bildungsfragen auf eine neue Grundlage stellen wollen.

Zuletzt rückten aber auch Defizite im schulischen Niveau in den Blickpunkt der Bildungspolitik. „Wir sind uns einig, dass angesichts der jüngsten Pisa-Studie dringender Handlungsbedarf besteht“, sagte Hubig. Auch Lorz erklärte: „Was mir sehr zu denken gegeben hat, war der Befund, dass unsere Schülerinnen und Schüler zwar sehr wohl wissen, wie man liest, aber keine Lust dazu haben und es deswegen auch nicht tun.“ Hier müsse mehr für die Motivation getan werden. dpa