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Umwelt Messungen erhärten Verdacht auf laufende Triebwerke als Ursache / Al-Wazir und Hinz für besseren Schutz der Anwohner

Mehr Feinstaub am Flughafen

Archivartikel

Frankfurt/Wiesbaden.Um zu hohe Feinstaubkonzentrationen auf den Straßen und mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wird noch immer gestritten, da nimmt die Politik schon ein anderes Umweltproblem ins Visier: Messungen haben den Verdacht erhärtet, dass der Betrieb auf dem Frankfurter Flughafen die Verbreitung von Ultrafeinstaub wesentlich mitverursacht. Diese extrem kleinen Partikel sind bislang viel weniger erforscht als die des Feinstaubs. Deshalb gibt es bislang auch keine Grenzwerte dafür. Dass sie aber ebenfalls gesundheitsgefährdende Auswirkungen haben, gilt zumindest als sehr wahrscheinlich. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und seine für Umwelt zuständige Amtskollegin Priska Hinz (beide Grüne) zeigen sich alarmiert und fordern Konsequenzen zum Schutz der Anwohner.

Die Messgeräte des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie am Flughafen und in den umliegenden Gemeinden zeigen einen deutlichen Anstieg der Belastung mit Ultrafeinstaub immer dann an, wenn der Wind aus Richtung des Flughafens weht und dort Flugbetrieb herrscht. Vermutet wird, dass die Verbrennung von Kerosin beim Laufen der Triebwerke der Maschinen – sei es bei Starts oder Landungen, auf dem Rollfeld oder auch noch oder schon stehend beim Ein- und Aussteigen – maßgeblich dazu beitragen. Besonders betroffen von der Verbreitung der Kleinstpartikel sind den Erkenntnissen zufolge das Frankfurter Stadtgebiet und der nördliche Kreis Groß-Gerau. Die gemessenen Werte schwanken je nach Tageszeit und Windrichtung. Die höchste mittlere Konzentration weisen aber die Messstellen direkt am Flughafen, in Raunheim, Frankfurt-Sachsenhausen und Frankfurt-Schwanheim auf.

Konzentration bei Wind niedriger

An all diesen Standorten sinkt die Konzentration aber jeweils deutlich, wenn der Wind nicht mehr aus Flughafenrichtung weht oder nachts der Flugbetrieb ruht. In Raunheim entspricht der Anteil des gemessenen Ultrafeinstaubs in etwa dem höchst verkehrsreicher Straßen in Dresden und Leipzig. Das Gebiet überfliegende Maschinen verbreiten nach Angaben der Wissenschaftler des Landesamts zwar auch Ultrafeinstaub. Diese horizontal entstehenden Werte sind aber erst beim Anflug unter 400 Metern Höhe spürbar und auch dann noch deutlich niedriger als die vertikal verbreiteten Partikel während des laufenden Betriebs am Flughafen, wie es heißt. Die nunmehr zweite Studie des Landesamts dieser Art lässt damit den Angaben zufolge so gut wie zur Gewissheit werden, was die vor gut einem Jahr veröffentlichte Erststudie noch als Vermutung nannte: das Verbrennen von Kerosin auf dem Flughafen als Ursache von Ultrafeinstaub.

Verkehrsminister Al-Wazir weist darauf hin, dass ein hoher Schwefelgehalt das Entstehen von Ultrafeinstaub begünstigt. Er hält es daher für ein Unding, dass bei Benzin und Diesel für Autos, Bahn und Binnenschiffe nur 0,01 Gramm Schwefel pro Kilo zugelassen sind, bei Kerosin dagegen mit drei Gramm ein Vielfaches davon.

Schwefelanteil massiv höher

Auch wenn der tatsächliche Gehalt mit durchschnittlich 0,5 Gramm beim Kerosin deutlich unter diesem Grenzwert liege, sei er damit immer noch ganz massiv höher als bei Autos, Bahn und Schiffen. „Das muss sich ändern“, fordert Al-Wazir. Umweltministerin Hinz sieht das genauso, zumal bei Flugzeugtriebwerken anders als in Personenwagen keine Filter eingebaut werden können, die den Schadstoffausstoß reduzieren. Zuständig für eine Änderung der Grenzwerte wäre aber die EU – und dort dauert so etwas erfahrungsgemäß mehrere Jahre.

Als weitere Konsequenz wollen Al-Wazir und Hinz daher die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe für Flugzeuge fördern, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden und als klimaneutral gelten. Eine Pilotanlage für dieses sogenannte Power-to-Liquid-Verfahren in Hessen ist geplant. Zudem wollen die beiden Minister mit der Aufstellung zusätzlicher Messgeräte an weiteren Standorten und einer wissenschaftlichen Untersuchung analog der Norah-Studie zum Fluglärm den Ultrafeinstaub und seine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weiter erforschen lassen.