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Integration Im Südwesten werden 3500 Asylsuchende ausgebildet / Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut lobt Fortschritte

Mehr Flüchtlinge gehen in die Lehre

Stuttgart.Im vergangenen Herbst haben in Baden-Württemberg 2387 Flüchtlinge eine Ausbildung begonnen. Sie stammen aus den acht Asyl-Hauptherkunftsländern Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Eritrea, Nigeria, Pakistan und Somalia sowie aus Gambia. Dies ist eine deutliche Steigerung zum Herbst 2016, als noch 868 Flüchtlinge aus diesen Ländern einen Ausbildungsvertrag unterzeichneten.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nannte die Entwicklung einen „großen Fortschritt und wertvoll für die Integration und den Fachkräftenachwuchs“ im Südwesten. Allerdings erhielten auch viele Asylsuchende keine Stelle, denn im vergangenen Jahr lag die Zahl der Bewerber mit einer Aufenthaltserlaubnis oder einer Duldung bei 3566. Die Flüchtlinge, die einen Platz bekamen, lassen sich in 128 verschiedenen Berufen ausbilden. Darunter befinden sich vor allem solche Jobs, bei denen es in den Betrieben einen großen Nachwuchsbedarf gibt – also Bäcker, Koch, Maler, Lackierer, Maurer, Anlagenmechaniker oder Fachlagerist. Insgesamt, so Hoffmeister-Kraut, befinden sich im Südwesten derzeit rund 3500 Flüchtlinge in einer Ausbildung. Durch sie habe sich die Nachwuchssituation in Baden-Württemberg entspannt.

„Ohne die Flüchtlinge hätten wir einen Rückgang bei der Zahl der Auszubildenden gehabt“, erklärte die CDU-Politikerin. In der Tat: Zum 30. September 2017 wurden im Südwesten insgesamt 74 655 neue Verträge abgeschlossen. Dies ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent – also rund 700 Verträge. Ohne die Flüchtlinge hätte es ein Minus von rund 1700 Ausbildungsverträgen gegeben. Trotzdem gibt es landesweit weiterhin viele Bewerber, die nicht die gewünschte Stelle gefunden haben. So sind im vergangenen Jahr 8577 Jugendliche statt einer Ausbildung weiter auf die Schule gegangen, und 978 stehen mit leeren Händen da. „Das kann uns nicht zufriedenstellen“, sagte Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags.

„Weit von Ziel entfernt“

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund ist mit den Übergängen nicht zufrieden. „Wir haben das Ziel formuliert, dass 75 Prozent der ausbildungsinteressierten Jugendlichen eines Jahrgangs mit einem Ausbildungsplatz versorgt werden. Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf. Im vergangenen Jahr sei die Quote nur bei 69,5 Prozent gelegen. Dabei gibt es im Südwesten in Zeiten einer guten wirtschaftlichen Entwicklung genügend Angebote. So stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 7659 an. 2017 waren insgesamt 79 120 Ausbildungsplätze im Südwesten gemeldet.

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