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Bildung 4,1 Prozent des Pflichtunterrichts ohne Vertretung / Erste flächendeckende Erhebung in Baden-Württemberg

Mehr Schulstunden fallen aus

Archivartikel

Stuttgart.Über alle Schularten hinweg sind in Baden-Württemberg im Juni 4,1 Prozent des Pflichtunterrichts ausgefallen. Bei der letzten Stichprobe im November 2017 waren es 3,6 Prozent. Weitere 6,2 Prozent der Schulstunden wurden durch andere Lehrer vertreten oder es wurden Klassen zusammengelegt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert bessere Vertretungskonzepte: „Zu einem nicht geringen Teil sind es planbare Faktoren, die zu Unterrichtsausfall führen, und nicht unbedingt Erkrankungen.“ Lehrerverbände verlangen nach der ersten Erhebung in allen 4500 Schulen die Einstellung von mehr Vertretungslehrern.

Am meisten Stunden sind in der Woche vom 11. bis 15. Juni mit durchschnittlich 6,6 Prozent in den Gymnasien ausgefallen, kaum besser stehen die beruflichen Schulen da. Das Mittelfeld bilden die Realschulen mit 4,3 Prozent Unterrichtsausfall, gefolgt von den Gemeinschaftsschulen mit 2,8 Prozent. Mit 1,2 Prozent sind die Grundschulen Spitzenreiter. In den Klassen 1 bis 4 garantieren die Schulen den Eltern eine verlässliche Betreuungszeit.

Die Verschlechterung gegenüber der Teilerhebung im November erklärt Eisenmann mit den vielen außerschulischen Aktivitäten im Juni. Außerdem stünden so spät im Schuljahr nur noch wenige Vertretungslehrer zur Verfügung.

Ein Drittel wegen Krankheit

Bei jeder zehnten Unterrichtsstunde fehlte der eigentlich zuständige Lehrer. Bei den Gymnasien lag diese Quote sogar bei 12,7 Prozent. Grund für die Abwesenheit der Lehrer waren nur zu einem Drittel Krankheiten. In 21,6 Prozent der Fälle waren Lehrer durch Schüleraustausch, Ausflüge oder Schullandheim verhindert. Fortbildung und lang planbare Ausfälle durch Elternzeit sind für jeweils 12 Prozent der Abwesenheit verantwortlich.

Eisenmann räumt ein, dass „Vertretungsunterricht nicht gleich Vertretungsunterricht“ ist. Da entspreche die Qualität nicht immer dem Regelunterricht. Denn oft werde Unterrichtsausfall durch die Zusammenlegung von Klassen vermieden. Den Bereich des Vertretungsunterrichts will sie bei der nächsten Erhebung genauer unter die Lupe nehmen. „Es ist Aufgabe der Schulverwaltung, aber auch der Schulen, weiter intensiv an passgenauen Vertretungskonzepten zu arbeiten“, betont die CDU-Ministerin.

Die Aufgliederung des Unterrichtsausfalls für die einzelnen Schulämter zeigen große Unterschiede. Zum Beispiel sind im Schulamt Tübingen bei den Realschulen 7,3 Prozent der Stunden ausgefallen, in Markdorf am Bodensee dagegen nur 1,8 Prozent. Im Schulamt Heilbronn waren es 5,2 Prozent, im benachbarten Amt in Künzelsau mit dem Main-Tauber-Kreis nur 2,7 Prozent. Das Schulamt Mannheim lag da bei 4,0 Prozent. Bei den Gemeinschaftsschulen wiederum liegen Künzelsau mit 2,5 und Heilbronn mit 3,1 Prozent nahezu gleichauf. Mannheim erreichte da mit 1,9 Prozent einen Spitzenwert.

Für die Lehrergewerkschaft GEW liegt der Unterrichtsausfall viel zu hoch. Zumindest um 200 Stellen pro Schuljahr sollte die Lehrerreserve vergrößert werden, fordert GEW-Landeschefin Doro Moritz. Als langfristiges Ziel fordert der Verband Bildung und Erziehung, eine Reserve von zehn Prozent des Pflichtunterrichts zu planen. Der Mannheimer Gesamtelternbeirat fordert sogar eine 120-prozentige Lehrerversorgung.

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei nannte das Ergebnis der Erhebung „katastrophal“. Der Unterrichtsausfall gehe auf die Kappe von Grün-Schwarz. Die Regierung habe im vergangenen Schuljahr 1000 Lehrerstellen abgebaut.

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