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Bildung Trend geht weg von staatlichen Einrichtungen / Gründe sind unzureichendes Personal und marode Gebäude

Mehr Zulauf an Hessens Privatschulen

Wiesbaden.Erneut ist die Zahl der Schüler an hessischen Privatschulen gestiegen. Die Lehrergewerkschaft GEW fürchtet negative Folgen für das staatliche Schulsystem. Derweil wehrt sich der Landesverband der Privatschulen gegen den Vorwurf, dass diese Schulen nur etwas für Wohlhabende sind.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes von gestern besuchen im laufenden Schuljahr über 46 900 Schüler eine allgemeinbildende Schule in privater Trägerschaft. Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 ist das ein Zuwachs um 830 Kinder und Jugendliche oder 1,8 Prozent. Insgesamt besuchten im Herbst vergangenen Jahres nach Angaben der Statistiker 7,5 Prozent aller hessischen Schüler allgemeinbildender Schulen eine Einrichtung in privater Trägerschaft. Vergleichsweise hoch seien dabei ihre Anteile in den Förderschulen und Gymnasien gewesen.

Eine 43 Jahre alte Mutter aus Frankfurt etwa erzählt, dass ihre Tochter und ihr Sohn auf die Internationale Schule Frankfurt (ISF) gehen, eine sogenannte Ergänzungsschule. Sie sei damit absolut zufrieden und greife dafür auch gerne in die Tasche. Das monatliche Schulgeld für die Geschwister beträgt 2500 Euro. „Eigentlich war es Zufall, dass unsere Kinder eine Privatschule besuchen, denn wir haben im Frankfurter Westen keinen Kindergartenplatz bekommen“, erzählt die Frau. „Also haben wir sie auf einen privaten Kindergarten geschickt und dann später auf die Schule.“

Öffentliches System gefährdet

Trotz der hohen Kosten ist sie sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Dort ist jeden Tag Betreuung bis 18 Uhr, und es ist auch kein Drama, wenn es mal zehn Minuten später wird“, sagt sie. „Wenn man liest, was in den Frankfurter Schulen los ist und wie die Gebäude aussehen, dann war das die richtige Entscheidung.“ Dort gebe es ja teilweise nicht mal mehr funktionierende Toiletten. Die Mutter betont: „Ich sehe in erster Linie meine Kinder und dann erst die der anderen.“

Das ist nach Einschätzung von Birgit Koch, der Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft GEW in Hessen, exakt das Problem. „Die dauerhafte Unterfinanzierung des staatlichen Bildungssystems ist ein ausschlaggebender Faktor für den Privatschul-Boom“, sagt sie und ergänzt: „Wohlhabende Eltern werden ihre Kinder gerade deshalb auf private Schulen schicken, weil die öffentlichen Schulen unattraktiv erscheinen.“ Wer genug Geld habe, versuche, sich so einer unzureichenden personellen Ausstattung und maroden Schulgebäuden zu entziehen. Das sei aber nicht hinnehmbar.

Die GEW-Vorsitzende wirft Privatschulen vor, die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Schulsystems zu gefährden. Es würden etwa kaum ausländische Schüler mit geringen Deutschkenntnissen an einer Privatschule unterrichtet. Falk Raschke, Geschäftsführer des hessischen Landesverbandes der Privatschulen, weist das zurück. Ihm zufolge gibt es Privatschulen, die gar kein Schulgeld verlangen, ebenso wie solche, die teuer seien. lhe