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Agrar Pilotprojekt soll Landwirte bei künftigen Schäden durch Frost oder Dürre unterstützen – und Soforthilfen überflüssig machen

Millionen-Versicherung für Obstbauern

Archivartikel

Stuttgart.Das Land will künftig Obstbauern unter die Arme greifen, damit diese bei wetterbedingten Schäden besser abgesichert sind. Dazu sollen laut einer Kabinettsvorlage von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), die dieser Zeitung vorliegt, zwischen den Jahren 2020 bis 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts insgesamt 15 Millionen Euro in eine Mehrgefahrenversicherung fließen. Pro Jahr sind fünf Millionen Euro einkalkuliert. Das Projekt soll mindestens drei Jahre laufen – und gegebenenfalls 2023 und 2024 fortgeführt werden.

Am Dienstag will das grün-schwarze Kabinett in seiner Sitzung das Vorhaben beschließen. Um die Mittagszeit wird Hauk das Vorhaben gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) öffentlich vorstellen. Das Pilotprojekt mit dem etwas sperrigen Titel „Förderung einer Mehrgefahrenversicherung zur Verbesserung der Risikovorsorge“ solle zeitnah die Einführung „einer für die Betriebe des Wein-, Kern-, Stein- und Beerenobstbaus wirtschaftlich tragfähigen Versicherung mit den Risiken Frost, Sturm und Starkregen unterstützen“, erklärt Hauk in der Vorlage.

Der Minister hatte bereits 2018 angekündigt, eine solche Versicherung im Südwesten einzuführen. Grund waren die enormen Ernteeinbußen der Bauern im Frühjahr 2017. Damals beliefen sich die Frostschäden im Südwesten auf rund 130 Millionen Euro. Das Land schüttete zur Unterstützung 50 Millionen Euro Soforthilfe aus. Diese sollen künftig entfallen und durch die Mehrgefahrenversicherung ersetzt werden.

„Ziel des Pilotprojekts ist es, Erfahrungen zu gewinnen, in welchem Umfang eine staatliche Anschubfinanzierung oder Prämienunterstützung geboten ist, um hiermit die bisher praktizierten staatlichen Ad-hoc-Hilfen nach Naturkatastrophen oder widrigen Witterungsverhältnissen abzulösen“, schreibt Hauk in der Vorlage. Vor allem im Obst- und Weinbau bestehe bei Spätfrost ein sehr hohes Risiko, erklärt Hauk in dem Papier weiter. „Diese Dauerkulturen weisen ein sehr hohes Schadenspotenzial auf. Bisher werden keine entsprechenden wirtschaftlich tragbaren Versicherungen am Markt angeboten und vorbeugende Maßnahmen sind oftmals nicht möglich“, so der CDU-Politiker.

Summe im Haushalt eingeplant

Die jährlichen Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro, die im Zuge der grün-schwarzen Beratungen zum Doppelhaushalt freigegeben wurden, basieren auf Kalkulationen der Versicherungswirtschaft. Grundlage ist die Annahme, dass 50 Prozent der Betriebe im Südwesten mit Anbauflächen für Wein-, Kern- und Steinobst sowie Strauch- und Erdbeeren eine Mehrgefahrenversicherung abschließen würden. Die jährliche Versicherungssumme soll bis zu elf Millionen Euro betragen. Diese Beiträge würde das Land dann mit fünf Millionen Euro unterstützen. Im Schadenfall wird davon ausgegangen, dass 20 Prozent der Summe der Geschädigte trägt, die restlichen 80 Prozent schüttet die Versicherung aus.

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