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Bildung Experten diskutieren über Situation der Lehrer / Unterstützung der Pädagogen verlangt / „Wir sehen die große Not“

Ministerin will Mangel bekämpfen

Pforzheim.Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will angesichts des Lehrermangels vor allem im Grundschulbereich die Ausbildungskapazität weiter erhöhen. „Qualifizierter Unterricht hat eine Grundvoraussetzung: Er sollte stattfinden“, sagte sie gestern bei der Vertreterversammlung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Pforzheim. Man bemühe sich, den Mangel mit verschiedenen Maßnahmen zu mildern. „Aber das ist ein Stück weit Mangelverwaltung“, räumte sie ein.

Eisenmann warnte zugleich vor panischen Reaktionen. Sie halte nicht viel von Notlösungen mit nicht ausgebildeten Pädagogen. Lehrer könnten mehr als jemand, der nur Mathe studiert habe. „Meine Wertschätzung für Lehrer ist ungemein groß“, betonte sie.

VBE-Landeschef Gerhard Brand hatte zuvor vor einem zunehmenden Mangel an Professionalität an Schulen gewarnt. Vor allem bei Grundschulen fehle es an genügend ausgebildeten Pädagogen. Man öffne die Tür deshalb auch für Menschen ohne komplette Lehramtsausbildung. „Wir sehen die große Not“, sagte er. „Wir fordern aber, dass die Leute genügend qualifiziert werden, bevor sie vor der Klasse stehen.“ Auch sollten Quereinsteiger, die sich bewährt hätten, die Möglichkeit bekommen, die Ausbildung zum Lehrer nachzuholen, forderte Brand.

Anlässlich des gestrigen Weltlehrertages wies der VBE-Vorsitzende auch auf die zunehmende Belastung der Lehrer hin. Was früher Aufgabe der Familie und des sozialen Umfelds gewesen sei, werde heute den Lehrern aufgebürdet. Er forderte die Politik auf, etwas für den Gesundheitsschutz der Pädagogen zu tun. „Lehrer sollten den Regierenden wirklich wieder etwas wert sein.“

Der 56-Jährige, der mit großer Mehrheit als VBE-Landeschef bestätigt wurde, forderte vom Land auch eine genügende Ausstattung der Schulen für die Inklusion. Die Lehrer stünden dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber. Wenn aber die personellen, räumlichen und technischen Voraussetzungen in den Schulen nicht gegeben seien, lehne sein Verband Inklusion an den Schulen ab. Nötig seien etwa das Zwei-Pädagogen-Prinzip und barrierefreie Schulen.

Bei der anschließenden Runde mit Landtagsabgeordneten warnte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke vor einer „ideologisch geprägten Diskussion“ bei dem Thema. „Wir brauchen nach wie vor Sonder- und Förderschulen“, betonte er. SPD-Fraktionschef Andreas Stoch zufolge muss man Eltern auch sagen können, dass Inklusion nicht in jeder Schule und nicht in jeder Klasse möglich ist. dpa