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Grundschulen Umweltministerin Priska Hinz schließt mit Naturschutzhäusern bundesweit einmaliges Bildungspaket für Nachhaltigkeit

Mit „Erdi“ die Umwelt verstehen

Archivartikel

Wiesbaden.„Erdi“ heißt der aufblasbare Ball, der einer Erdkugel mit menschlichen Gesichtszügen gleicht. „Alle Kinder wollen Erdi beschützen“, berichtet Martina Teipel vom Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben in Flörsheim im Main-Taunus-Kreis von ihren Erfahrungen beim Einsatz der Figur in Grundschulen. Dort soll sie einem guten Zweck dienen: Bildung der Kinder in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit.

Zum Beispiel lernen die jüngsten Schülerinnen und Schüler bei den ungewöhnlichen Unterrichtseinheiten etwas über T-Shirts aus Asien und ihren Weg von der Baumwolle über Billigproduktion, die Verschiffung nach Europa bis hin zum Verkauf in Deutschland und der oft nur kurzen Lebensdauer der Produkte nach ein oder zwei mal Waschen.

Im Schulgesetz festgeschrieben

Das Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben ist nur einer von 15 Partnern bei dem bundesweit einmaligen Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Hessen. Nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene sollen dabei mehr über den Schutz der Umwelt und über Nachhaltigkeit lernen – mit ganz praktischen Beispielen. Zusammen mit Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) unterzeichneten Teipel und Martin Jatho vom Naturerlebnishaus Heideberg in Kirtorf im Vogelsberg am Dienstag in Wiesbaden stellvertretend für ihre 13 Mitstreiter den Pakt zur Gründung der Initiative.

Vom Weltgarten Witzenhausen in Nordhessen bis zum Naturschutzzentrum Bergstraße im Süden wollen sie dazu beitragen, das Bewusstsein für den Schutz des Klimas zu fördern. Laut Hinz ist Hessen das einzige deutsche Bundesland, das nachhaltige Bildung auch im Schulgesetz festgeschrieben hat. Pro Jahr nehmen nach Angaben der Ministerin schon jetzt hessenweit rund 100 000 Menschen entsprechende Angebote der Umweltbildung wahr. Mit dem Pakt sollen es – so ihre Hoffnung – jetzt noch viel mehr werden. 1,5 Millionen Euro stellt die Landesregierung bis zum Jahr 2024 dafür zur Verfügung. In Kirtorf ist der Schutz der Bäche und damit letztlich auch der Meere vor Mikroplastik eines der großen Themen, wie Jatho erläutert. Und das Naturschutzzentrum widmet sich laut Hinz Experimenten, mit welchen Stoffen Plastik ersetzt und sein Einsatz reduziert werden kann. Die Umweltministerin verweist darauf, dass die Klimakrise „unser aller Lebensgrundlage bedroht“. Die Auswirkungen seien überall sichtbar – im Wald, in der Landwirtschaft sowie bei vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten. „Unser Wissen über den Klimawandel muss sich dringend in aktives Handeln umwandeln“, betont Hinz.

Neue Konzepte geplant

Basis dafür sei eben jene Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, die Wissen mit Emotion und Handeln zusammenbringe. Dafür seien die 15 Umweltbildungszentren genau die richtigen Partner. Sie unterbreiteten ihre Angebote sowohl in Kitas, Schulen und Hochschulen als auch in außerschulischen Einrichtungen.

Da praktische Lerneinheiten wegen des Coronavirus nur eingeschränkt möglich sind, stehen in diesem Jahr neue Konzepte für die Umweltbildung im Mittelpunkt der Förderung, die dann ab nächstem Jahr umgesetzt werden können, wie es Hinz formuliert. So produziert das Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben eine Bildungseinheit in leichter Sprache für Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigungen mit Hilfe eines Kurzfilms. Und das Naturerlebnishaus Heideberg bereitet eine Wald-Klima-Rallye, mit dem der dort vorhandene Naturlehrpfad um Aspekte des Klimawandels erweitert werden soll.