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SPD-Vorsitz Der Hesse Michael Roth und seine Partnerin Christina Kampmann punkten bei den Regionalkonferenzen

Mit guter Laune und Zuversicht

Archivartikel

Nieder-Olm.„Wir zwingen uns die gute Laune ja nicht auf, wir sind einfach so.“ Michael Roth, der einzige Hesse unter den Bewerbern für den SPD-Vorsitz, ist davon überzeugt, dass die Partei nur mit Optimismus und Selbstbewusstsein an der Spitze aus ihrem tiefen Tal herausfinden kann. Zusammen mit seiner Partnerin Christina Kampmann aus Nordrhein-Westfalen gelingt es dem Staatsminister im Auswärtigen Amt bei den laufenden Regionalkonferenzen regelmäßig, die Zuhörer zu überraschen.

Unterhaltsam schaffen es die beiden immer wieder, Beifall für etwas einzuheimsen, das der SPD besonders fehlt: Zuversicht. Manch einer argwöhnt deshalb schon, das jüngste der sieben Kandidatenpaare bereite seine Auftritte professionell vor. Roth versichert aber: „Natürlich stimmen wir uns inhaltlich ab und besprechen, wer bei welchen Themen antwortet. Aber es gibt keinen Choreografen, der mit uns Pirouetten einstudiert.“

Der 49-jährige Roth und seine 39 Jahre alte Partnerin waren im Sommer das erste Duo, das seine Bewerbung um die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles angemeldet hat. Die beiden galten als Außenseiter. Aufgrund ihrer guten Performance auf den Regionalkonferenzen zählen sie aber inzwischen zu den Mitfavoriten für die erwartete Stichwahl nach dem Mitgliederentscheid im Oktober. „Es mag manchen irritieren, dass da nicht zwei gramgebeugte Sozis vorne stehen, die sich erst drei Mal dafür entschuldigen, wie schlimm alles ist“, sagt Roth augenzwinkernd. Oft kämen aber SPD-Mitglieder nach der Regionalkonferenz auf Kampmann und ihn zu und erzählten, sie hätten die beiden zunächst nicht auf dem Schirm gehabt, doch ihr Auftritt habe sie überzeugt.

Nur kleiner Teil vor Ort

Natürlich weiß Roth, dass die zusammen vielleicht 20 000 Besucher der 23 Regionalkonferenzen in Deutschland nur den kleineren Teil der mehr als 400 000 zur Abstimmung berechtigten Parteimitglieder in Deutschland ausmachen. Er setzt aber darauf, dass sie anderen Genossen berichten, auf das Medienecho und die eigenen Aktivitäten in sozialen Netzwerken.

Am Montag in Ettlingen fehlte seine Partnerin Kampmann krankheitsbedingt. Doch die werde am Freitag wieder mit dabei sein, sagt Roth erleichtert. Schließlich seien sie „ein echtes Team auf Augenhöhe und nicht Einzelkämpfer, die nur für die Kandidatur zusammengefunden haben“. Tatsächlich kommt die hochgewachsene Kampmann sympathisch herüber. Sie war von 2015 bis 2017 Kultur- und Familienministerin in Nordrhein-Westfalen und ist jetzt Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag.

Roth hat angekündigt, sein Amt als Staatsminister im Auswärtigen Amt niederzulegen, wenn die beiden die Wahl zum SPD-Vorsitz gewinnen, damit er ganz für diese Aufgabe da ist. Erfahrungen mit einem Parteiamt hat er zuvor als hessischer SPD-Generalsekretär von 2009 bis 2014 gesammelt. Beiden ist auch ein besserer Umgang miteinander in der SPD wichtig. So twitterte Kampmann nach dem persönlichen Angriff eines Parteifreundes auf die Partnerkandidatin von Finanzminister Olaf Scholz: „Klara Geywitz ist die wundervollste Mitkonkurrentin, die ich mir vorstellen kann. Wer solche Worte wählt, hat nicht verstanden, worum es in der SPD gerade geht! Fairness und Solidarität müssen wieder ganz oben auf unserer Agenda stehen!“

Unkonventionelle Vorschläge

Kampmann und Roth haben auch unkonventionelle Vorschläge zur Reform der Parteiarbeit gemacht. Das SPD-Präsidium wollen sie abschaffen, der Bundesvorstand soll nicht mehr nur in der Berliner Parteizentrale tagen. Und Roth geht noch weiter: Von Bewerbern aus den Ortsvereinen sollten zwei ausgelost werden, die dann mit beratender Stimme an den Sitzungen des Parteivorstands teilnehmen dürfen. Die Frage der großen Koalition will der Nordhesse nicht auf ein Ja oder Nein reduzieren. „Raus aus der Koalition – sofort und egal wie“ sei jedenfalls keine Lösung. Die Entscheidung müsse von den Inhalten abhängen.

Politisch hat das Duo Roth/Kampmann noch mit der Forderung nach Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 Furore gemacht. Das sei nun einmal keine Frage für das Strafrecht, argumentiert Roth.