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Verkehr Fahrgäste beklagen Verspätungen und Ausfälle nach Bahnbetreiberwechsel / Härtetest nach den Pfingstferien

Mit Pannen ins neue Zeitalter

Stuttgart.Der Ärger der Fahrgäste entlädt sich im Netz. „Seit einer Woche nur Chaos auf meiner täglichen Pendelstrecke Stuttgart - Karlsruhe. Bisher war noch kein einziger Zug pünktlich, ein Alptraum. Außerdem sind die neuen Züge sehr unbequem. Aber das Personal ist große Klasse, sehr freundlich!“, kritisiert Bahnfahrerin Vanessa Hindinger am Freitag den neuen Streckenbetreiber Go-Ahead auf dessen Facebook-Seite – wie Dutzende weiterer Fahrgäste auch.

Mit dem Betreiberwechsel am Pfingstsonntag im regionalen Schienenverkehr rund um Stuttgart von der DB Regio zu Go-Ahead und Abellio sollte eigentlich für Baden-Württemberg ein neues Zeitalter auf der Schiene eingeläutet werden. Mit besserem Takt und modernen Zügen. Doch der Zeitenwechsel hat Verspätung.

Auf Twitter und Facebook werden die Probleme von den Fahrgästen dokumentiert: Zugausfälle; Verspätungen, die nicht durchgesagt werden; Züge, die brechend voll sind; Türen, die sich nicht öffnen lassen; Schiebetritte, die nicht ausfahren; Haltestellen, an denen Züge vorbeifahren. Zwischen Stuttgart und Aalen fährt noch bis Ende der Pfingstferien gar kein Zug – Fahrgäste müssen auf Busse ausweichen.

Vom Ausmaß der Probleme zeigen sich am Ende der ersten Woche alle beeindruckt. „Wir hätten uns einen besseren Start gewünscht, denn die neuen Züge und der bessere Takt sollen den Nahverkehr attraktiver machen“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). „Aber wenn neue Teams und neue Technik ohne Vorlauf starten, dann läuft leider nicht alles rund.“ Der Vorlauf, bei dem Fehler hätten behoben werden können, habe aufgrund der späten Lieferungen der Züge nicht stattfinden können. Täglich müssen sich nun die Beteiligten zur Lagebesprechung im Ministerium einfinden.

Zusätzliche Züge

Während die Regionalbahnen von Go-Ahead und Abellio mittlerweile weitgehend stabil sind, gebe es weiter Probleme bei den schnellen IRE-Zügen von Go-Ahead. „Da ich auch selbst schon Opfer von erheblichen Verspätungen war, kann ich den Ärger gut nachvollziehen. Für die neuen Betreiber gilt: Sie müssen zuverlässig und pünktlich fahren“, so Hermann.

Man arbeite „mit Hochdruck an pragmatischen Lösungen“, teilt Hans-Peter Sienknecht, Landeschef von Go-Ahead mit. Er kündigt den Einsatz zusätzlicher Züge an, um Verspätungen in den Griff zu bekommen.

Auch Abellio-Sprecherin Hannelore Schuster räumt Anlaufschwierigkeiten ein. „Aber jetzt sind wir ganz zufrieden.“ Verspätungen seien reduziert worden und „zum Großteil“ den Ausfällen bei Go-Ahead zuzuschreiben und verspäteten Fernverkehrszügen, denen Vorrang gewährt werde.

Stefan Buhl, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, hat Probleme ebenfalls erwartet. „Aber es ist weit schlimmer gekommen.“ Er bemängelt den fehlenden Testbetrieb. Die Nagelprobe für die neuen Anbieter werde der reguläre Betrieb nach den Pfingstferien werden. „Bleibt es so, können die Fahrgäste nur mit den Füßen abstimmen“, sagt Buhl.

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