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Landesverwaltung Neuer Ärger um die Digitalbehörde IT-Baden-Württemberg / System ist teurer als andere Netze

Museen fürchten hohe Kosten

Archivartikel

Stuttgart.Der Streit um die gescheiterte Bildungsplattform „ella“ ist noch nicht ausgestanden und schon droht der Großbehörde „IT-Baden-Württemberg“ (BITBW) neuer Ärger. Die Museen des Landes befürchten Zusatzkosten in Millionenhöhe, wenn sie ihre Informations- und Kommunikationstechnik an die BITBW übertragen. „Es drohen Mehrkosten ohne mehr Leistung“, kritisiert der Grünen-Abgeordnete Alexander Salomon. Stefan Krebs, der Regierungsbeauftragte für Informationstechnologie, signalisiert Verhandlungsbereitschaft: „Wenn es über das Hochschulnetz BelWü einfacher und besser geht, müssen wir darüber reden.“

Zentrale Datenabwicklung

BITBW soll die Beschaffung von neuen Geräten und die Abwicklung des Datenverkehrs für alle Behörden des Landes zentral übernehmen und für einheitliche Standards sorgen. Zuletzt sorgten Reibereien um die Bildungsplattform „ella“ für mehr als eine Million Schüler und Lehrer in Baden-Württemberg für Aufsehen. Nun wehren sich die Museen des Landes gegen die Übernahme von BITBW.

Die Stuttgarter Staatsgalerie fordert einen finanziellen Nachschlag. Das Museum rechnet vor, dass durch BITBW jährliche Mehrkosten von 200 000 Euro entstehen. Die müssten vom Land übernommen werden, fordert Salomon. Sonst, warnt er, „heißt das eine Ausstellung weniger“. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hat für den Nachtragshaushalt die 200 000 Euro angemeldet. Aber die Haushaltskommission lehnte das ab und verwies Bauer auf den Haushalt 2020. „Ich hoffe, da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen,“ so Salomon.

Das Haus der Geschichte befürchtet sogar zusätzliche Kosten von 360 000 Euro im Jahr. Dazu käme noch ein einmaliger Finanzaufwand für die Umstellung von „grob geschätzt“ 200 000 Euro, heißt es in einem internen Papier. Bauer lässt gerade bei allen Museen die befürchteten Mehrkosten durch die Zentralisierung der Informationstechnik erheben. Konkrete Summen könnten noch nicht genannt werden, sagt ein Sprecher. Die Landesmuseen profitieren bisher vom preiswerten Landeshochschulnetz BelWü, das alle wissenschaftlichen Einrichtungen in Baden-Württemberg mit schnellen Datenleitungen verbindet.

Mehr Sicherheit

Krebs räumt ein, dass BelWü für die Nutzer kostengünstiger sei. Auf der anderen Seite biete BITBW einen höheren Sicherheitsstandard, wirbt er. Der Regierungsbeauftragte lässt gerade die Kostenstruktur der Netze durchleuchten. Innenminister Thomas Strobl (CDU) steht zur Zentralisierung, die sein SPD-Vorgänger Reinhold Gall 2015 eingeführt hat: „Durch BITBW haben wir eines der stabilsten und sichersten Verwaltungsnetze in ganz Deutschland.“

Zur Begründung hatte Gall damals mit Einsparungen von 40 Millionen Euro pro Jahr gelockt. „Die Einsparungen sehe ich nicht“, sagt der Grüne Salomon. Aber technisch biete das Konzept Vorteile. Krebs spricht von „relevanten Einsparungen“. Als Beispiel nennt er die erhöhten Sicherheitsstandards nach drei großen Hacker-Attacken auf Einrichtungen des Landes. Aber auch Krebs sieht den Bedarf für eine gründliche Bewertung von BITBW und eine Neujustierung. Derzeit sondiert eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Ministerien und drei externen Experten den Umfang der Evaluation. Es sei „angestrebt, noch im November über eine Ausschreibung des Auftrags zu entscheiden“.

Niemand schreie Hurra, wenn er seine IT-Kompetenzen abgeben müsse, versucht Krebs den Ärger einzuordnen. Er ist so von diesem Konzept überzeugt, dass er sich beim Wettbewerb „CIO des Jahres“ beworben hat, den zwei Computermagazine für den besten IT-Chef der Republik verleihen. Letztes Jahr wurde der „Chief Information Officer“ des Weltkonzerns Bosch ausgezeichnet. Krebs ist für die Gala am 15. November nach München geladen. „Durch Ihre Platzierung sind Sie ein wesentlicher Bestandteil unserer feierlichen Preisverleihung“, heißt es in einer E-Mail. Bei den Museen hält man das für einen Witz.