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Staufen Zeugen sagen im Missbrauchsprozess aus

„Mutter hatte aktive Rolle“

Freiburg.Im Hauptprozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufen will das Landgericht Freiburg bis Anfang August das Urteil verkünden. Die Beweisaufnahme sowie die Plädoyers werden länger dauern als ursprünglich geplant, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin gestern. Einen genauen Termin zur Urteilsverkündung gebe es noch nicht. Anfangs hatte das Gericht am 16. Juli das Urteil sprechen wollen. Dies werde aber nicht zu schaffen sein.

Angeklagt sind die 48 Jahre alte Mutter des Kindes sowie ihr 39-jähriger Lebensgefährte. Sie haben gestanden, den heute neun Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie auch selbst das Kind sowie ein drei Jahre altes Mädchen mehrfach missbraucht haben.

Es gibt acht Tatverdächtige. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sind Hauptbeschuldigte. Die Taten ereigneten sich von Februar 2015 bis September 2017. „Die Mutter hat in dem Missbrauchsfall eine aktive Rolle gespielt“, sagte gestern ein Polizeibeamter vor Gericht. Dies belegten Fotos und Filme, die bei ihr gefunden worden seien. Dort sei zu sehen, wie sich die Frau mehrfach an ihrem Sohn vergehe, ihn beschimpfe und ihn für Vergewaltigungen vorbereite. Sie sei in Tatplanungen und Termine eingebunden gewesen.

Der wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafte Lebensgefährte, der den Jungen nach eigenen Angaben im Wissen der Mutter jahrelang vergewaltigt und anderen Männern überlassen hat, habe gemeinsam mit der Frau und ihrem Sohn in einer Wohnung in Staufen gelebt – obwohl ihm dies gerichtlich verboten gewesen sei. Die Polizei habe davon Anfang März 2017 erfahren und das Jugendamt alarmiert, sagte ein weiterer Beamter.

Jugendamt und Justiz stehen in dem Fall in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, den Jungen nicht geschützt zu haben. Am Donnerstag sollen laut Gericht unter anderem Mitarbeiter des Jugendamtes gehört werden. Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie.