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Urteil Neugeborenes auf Wiese einfach liegengelassen

Mutter muss acht Jahre ins Gefängnis

Ravensburg.Acht Jahre statt lebenslang: Eine Frau ist nach der Tötung ihres Neugeborenen vom Landgericht Ravensburg wegen Totschlags verurteilt worden. Die Richter bewerteten die Tat nicht als Mord – anders als ihre Kollegen, die die Frau im vergangenen Jahr zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt hatten. Im neu aufgerollten Prozess sprach der Vorsitzende Richter von einer spontanen Tat, begangen aus Verzweiflung: „Was feststeht, ist: Die Angeklagte wollte von Anfang an dieses Kind nicht. Das heißt aber nicht, dass die Angeklagte von Anfang an vorhatte, das Kind wird sterben müssen.“

Baby erstickte

Der Fall hatte vor rund zwei Jahren für Aufsehen gesorgt: Nachdem sie ihre Schwangerschaft monatelang vor Familie und Freunden geheim gehalten hatte, brachte die damals 23-Jährige das Kind in der Nähe eines Bauernhofs bei Mengen (Kreis Ravensburg) zur Welt. Die Wehen hatten eingesetzt, während sie mit ihrem damaligen Partner und einem weiteren Pärchen aus dem Urlaub zurückfuhr. In einiger Entfernung der Gruppe gebar die Frau in der Dunkelheit und steckte dem Neugeborenen danach einen Pfropfen aus Küchenpapier in Mund und Rachen. So ließ sie das Kind in der Wiese liegen. Es erstickte kurz darauf.

„Sie hat bewusst und uneingeschränkt schuldfähig gehandelt“, urteilte der Vorsitzende Richter und warf der Angeklagten vor, sich nicht früher Hilfe gesucht zu haben. „Es ist eine Spontanhandlung. Aber dass es zu dieser Spontanhandlung kam, ist Ergebnis ihrer himmelschreienden Verantwortungslosigkeit im Vorfeld.“ Warum sie die Schwangerschaft vor allen geheim hielt, dafür gab es nach Ansicht des Richters keine rationalen Gründe. dpa