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SPD Neue Fraktionschefin will im Vergleich zu Vorgänger Thorsten Schäfer-Gümbel Klimaschutz und Pflege mehr ins Zentrum stellen

Nancy Faeser setzt andere Akzente

Archivartikel

Wiesbaden.Kaum im Amt, setzt sie schon andere Akzente als ihr Vorgänger: Die 49-jährige Nancy Faeser ist am Mittwoch mit 27 gegen eine Stimme zur neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag gewählt worden. Als Nachfolgerin von Thorsten Schäfer-Gümbel hat sie auch das Amt der Oppositionsführerin übernommen. Dessen Hauptthemen Bildung, Wohnen und Mobilität seien auch für sie wichtig, sagt die Innenpolitikerin. Aber sie fügt gleich zwei neue hinzu: Klimaschutz und Pflege. Vor allem das über die Zukunft entscheidende Thema Klimaschutz „können wir nicht liegen lassen“, sagt Faeser kurz nach dem Einzug in ihr neues Büro der Fraktionsvorsitzenden und fügt hinzu: „Schließlich habe ich selbst einen Sohn.“

Das Bild des vier Jahre alten Tim hat sie demonstrativ mit sich getragen und auf den Schreibtisch gestellt, als sie ihr neues Amtszimmer bezog. Auch für den Bereich Pflege kündigt sie neue Initiativen an. Mit Hilfe des Tariftreuegesetzes könnten höhere Mindestlöhne durchgesetzt und der Beruf der Pflegekräfte attraktiver gemacht werden. Auf die Frage, was sie noch anders als Schäfer-Gümbel machen wolle, verweist die im weißen Kostüm gekleidete neue SPD-Fraktionschefin auch darauf, dass sie als Frau manchmal „eine andere Sicht auf die Dinge“ habe. Und sie bezeichnet sich als Pragmatikerin, die zuallererst auf die „Alltagstauglichkeit“ politischer Entscheidungen achte.

Von ihrer fast einstimmigen Wahl zeigt sich Nancy Faeser „sehr erfreut“. Auch die eine Gegenstimme in geheimer Wahl stört sie nicht, sie habe eher mit mehr gerechnet. Dass sie auf dem Parteitag am 2. November auch eine solide Mehrheit als neue SPD-Landesvorsitzende erhält, gilt als sicher. Gegenkandidaten gibt es ohnehin nicht. Sie komme ja aus der Kommunalpolitik, betont Faeser, deshalb sei ihr der unmittelbare Kontakt mit den Menschen besonders wichtig.

Schon nächste Woche will sie an der Bergstraße damit anfangen, alle hessischen Kreise zu bereisen und mit den Leuten zu sprechen. Lange Autofahrten sei sie schon als Generalsekretärin der Partei gewohnt. Und den kleinen Tim will sie versuchen, trotz der neuen Ämter selbst in den Kindergarten zu bringen.

Jungfernrede im Landtag

In der Landtagsdebatte über die Wohnungspolitik hält sie am Nachmittag ihre Jungfernrede als Oppositionsführerin. In kritischem Ton fordert Faeser von Volker Bouffiers schwarz-grüner Landesregierung ein schärferes Vorgehen gegen den Leerstand von Wohnungen und die Wiedereinführung des Zweckentfremdungsverbots. „Die Polizeibeamtin und der Krankenpfleger“ könnten sich bei den hohen Mieten bald keine Wohnung im Ballungsraum mehr leisten, warnt sie.