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Bodensee Umweltministerium gegen offene Zuchtanlagen / Landwirtschaftsministerium beharrt auf neutraler Prüfung

Netzgehege bleiben unzulässig

Stuttgart.Rund um den Bodensee zählen die Felchen zu den hoch geschätzten regionalen Spezialitäten. Doch weil der See sauberer geworden ist, gehen weniger Fische ins Netz. Ein erheblicher Teil der Felchen wird inzwischen importiert, um die Nachfrage von Restaurants und Verbrauchern zu befriedigen. Vor Ort tobt ein heftiger Streit um die Pläne einer Genossenschaft, die Felchen in Netzgehegen zu züchten. Nun beschäftigt das Problem auch die Landespolitik. Für das Umweltministerium lehnt Staatssekretär Andre Baumann solche Anlagen ab: „Gemäß den Bodensee-Richtlinien von 2005 sind Netzgehege-Anlagen im Bodensee und in den Zuflüssen nicht zuzulassen.“ Das sei für das zuständige Landratsamt verbindlich.

Das Ministerium hat sich auf Antrag der Landtags-Grünen mit den Plänen beschäftigt. „Ich bin froh, dass das Umweltministerium nun deutlich gemacht hat, dass offene Netzgehege im Bodensee unzulässig sind und bleiben“, spielt der Abgeordnete Reinhold Pix Doppelpass mit Parteifreund Baumann. Ein Antrag auf eine solche Zuchtanlage müsste seiner Ansicht nach abgelehnt werden, weil die Internationale Gewässerschutzkommission bei ihrer Linie bleibe.

Im Landwirtschaftsministerium beharrt man dagegen auf dem Koalitionsvertrag. Darin verweisen Grüne und CDU auf die großen Herausforderungen für die Berufsfischer am Bodensee, deren Fänge durch die Fortschritte bei der Gewässerreinhaltung und die dadurch sinkende Phosphatkonzentration stark zurückgegangen sind. In den 70er Jahren wurden jeweils bis zu 2000 Tonnen Felchen geangelt, zuletzt waren es weniger als 300 Tonnen. „Wir setzen deswegen auf eine nachhaltige Aquakulturinitiative am Bodensee und in anderen Landesteilen“, heißt es deshalb im grün-schwarzen Arbeitsprogramm.

Bisher kein Antrag

Im Haus von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) wundert man sich ein wenig über die Aktivitäten beim Koalitionspartner. Bisher liege gar kein Bauantrag vor. Und wenn es einen gebe, werde der „neutral geprüft“, pocht seine Sprecherin auf den Koalitionsvertrag. Zuchtanlagen in Finnland und Norwegen würden zeigen, dass Antibiotika kein Risiko darstellen. Dass gegebenenfalls eine Ausnahme von der Bodensee-Richtlinie notwendig wäre, sei unstrittig. Hauk hatte sich schon 2016 für Zuchtanlagen ausgesprochen.

Baumann berichtet, dass nach einer „vorläufigen Abschätzung“ der Fischereiforschungsstelle Langenargen zwei Standorte im Überlinger See geeignet sein könnten. Die Experten haben dabei Wassertiefe, Strömungsverhältnisse und Windverhältnisse analysiert.

Zugleich betont auch Baumann, dass die Genossenschaft RegioBodenseeFisch noch keinen Antrag gestellt hat. Die Grünen wollen aber offensichtlich die ins Gespräch gebrachte Pilotanlage mit zwei Netzgehegen, die in einer Tiefe von 40 Meter installiert würden und einen Durchmesser von 20 Meter haben sollen, ausbremsen. „Der Bodensee ist kein Acker. Deshalb lehne ich auch Pilotprojekte ab. Wir wollen keine Experimente mit ungewissem Ausgang“, betont die Konstanzer Abgeordnete Nese Erikli.

Die Grünen haben schon im Dezember letzten Jahres in einem Positionspapier offene Netzgehege abgelehnt. Als Alternative schlagen sie Anlagen mit einem geschlossenen Wasserkreislauf vor. Den Berufsfischern empfehlen sie als Ersatz den Einstieg in den Tourismus.