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Nationalpark Schwarzwald Besucher- und Informationszentrum wird im Herbst 2020 eröffnet / FDP kritisiert Millionen-Kosten

Neubau soll Besucher anlocken

Archivartikel

Stuttgart.Der Nationalpark Schwarzwald gilt als Prestigeprojekt der Grünen, das sich die Landesregierung einiges kosten lässt: Allein der derzeit laufende Neubau des Besucher- und Informationszentrums am Ruhestein an der Schwarzwaldhochstraße kommt nach aktuellem Stand auf 44,7 Millionen Euro – gegenüber ursprünglich veranschlagten 20,5 Millionen Euro. Dazu kommen Personalkosten und Sachausgaben für den Nationalpark, allein für dieses Jahr rund zehn Millionen Euro. Der Neubau soll im Herbst 2020 eröffnen und rund 100 000 Besucher jährlich anlocken.

Doch zumindest derzeit sind solche Besucherströme mehr Wunsch als Wirklichkeit. Denn während in den ersten beiden Jahren nach Eröffnung des Nationalparks das Besucherzentrum immerhin rund 26 000 (2014) und 24 200 (2015) Besucher anlockte, ging die Zahl seitdem deutlich bergab. Mit nur noch 15 623 Besuchern erreichte das Interesse am Info-Zentrum im Jahr 2018 seinen vorläufigen Tiefpunkt. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion zu den Zukunftsinvestitionen in ländliche Tourismus-Attraktionen hervor. So kann Klaus Hoher, FDP-Landtagsfraktionssprecher für ländlichen Raum, nicht nachvollziehen, warum für das Prestigeprojekt Nationalpark so viel Geld in die Hand genommen wird. Aus Sicht der Nationalparks hat der Besucherrückgang im Infozentrum eindeutige Gründe: „Die Anfangsneugierde hat sich gelegt, dann hatten wir in den vergangenen zwei Jahren durch die Baustelle erschwerten Zugang, sechs Wochen war komplett geschlossen. Und durch Platzumnutzung sind die Wechselausstellungen weggefallen, die viele Besucher auch bei Schlechtwetter angelockt haben“, sagt Ursula Pütz, Leiterin der Besucherzentren Ruhestein und Herrenwies. Das soll sich mit der Eröffnung des neuen Zentrums ändern, am Programm werde bereits intensiv gearbeitet, sagt Pütz.

Verkehrskonzept geplant

In den Nationalpark selbst aber strömen offenbar die Besucher: In dem Jahr seit Einrichtung des Zählschrankennetzes Ende Juni 2018 dürften es nach Schätzungen der Nationalparkverwaltung rund 600 000 Besucher gewesen sein. Sollte das neue Zentrum der erhoffte Besuchermagnet werden, dürfte es mit der Ruhe am Ruhestein wohl für alle Zeiten vorbei sein. Denn schon jetzt kommen die meisten Besucher mit dem eigenen Fahrzeug und sorgen für ein Verkehrschaos.

Die Politik hat die Gefahr erkannt: Am Freitag reiste der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann an den Ruhestein, um mit Vertretern von Landkreisen und Gemeinden über ein geplantes neues Verkehrskonzept zu sprechen.