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Bildung Kultusministerin Susanne Eisenmann will Abwärtstrend der Einrichtungen stoppen / Städtetag wehrt sich gegen geplante Änderungen

Neue Regeln für Erhalt von Hauptschulen umstritten

Archivartikel

Stuttgart.Die Kriterien für den Erhalt kleiner Haupt- und Werkrealschulen dürfen aus Sicht des Städtetags nicht aufgeweicht werden. „Wir sehen keinen Änderungsbedarf, die geltenden Bestimmungen haben sich bewährt“, sagte Norbert Brugger, Bildungsdezernent des Kommunalverbandes, in Stuttgart. Damit reagierte er auf Pläne des Kultusministeriums, nicht die Anmeldungen für die Eingangsklasse als Maßstab für den Erhalt einer Schule zu nehmen, sondern den Durchschnitt der Klassen fünf bis neun.

Dies hätte aus Sicht des Städtetags die Folge, dass Schulschließungen verhindert oder aufgeschoben würden. Das Ministerium hingegen will die mühsam durchgesetzte regionale Schulentwicklung hinsichtlich der Werkreal- und Hauptschulen anpassen. Der grüne Koalitionspartner will da nicht mitziehen und mahnt Planungssicherheit an, die die regionale Schulentwicklung bringe.

Darunter ist die bewusste Planung der Schullandschaft zu verstehen mit dem Ziel, ein regional ausgewogenes Bildungsangebot mit allen Bildungsabschlüssen in zumutbarer Entfernung zu ermöglichen. Derzeit erhalten Schulen, die zwei Jahre in Folge weniger als 16 Anmeldungen für die fünfte Klasse haben, in der Regel keine neuen Schüler im dritten Jahr. Der Schulbetrieb läuft dann aus. Das soll sich nach den Plänen von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ändern. Der Blick auf mehrere Klassen werde dem Schultyp gerechter. Fast die Hälfte der Absolventen komme nicht gleich zu Beginn in diese Schulen, sondern erst später, etwa von Real- oder Gemeinschaftsschulen.

„Dürfen nicht noch mehr verlieren“

Eisenmann: „Wir dürfen nicht riskieren, noch mehr Haupt- und Werkrealschulen zu verlieren.“ Ihr Bildungsangebot sei unverzichtbar, um auch künftig in Kooperation mit Betrieben vor allem praktisch begabte Schüler zum Hauptschulabschluss zu führen. Im Schuljahr 2016/17 gab es knapp 700 öffentliche Werkreal- und Hauptschulen.

Die grüne Bildungsexpertin Sandra Boser erteilte Veränderungen der regionalen Schulentwicklung eine Absage. Damit seien stabile Standorte mit hoher Qualität gewährleistet. „Lehrer, Eltern, Schüler und Schulträger brauchen Planungssicherheit und weniger Scheindebatten.“ Zwar wechselten zahlreiche Realschüler auf die Werkreal- und Hauptschulen. Aber die Realschulen hätten auch den Auftrag, leistungsschwächere Schüler zum Hauptschulabschluss zu bringen. „Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf an den Realschulen“, betonte die Abgeordnete. lsw

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