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Bildungspolitik Landeschefin Moritz hört nach zwölf Jahren auf

Neue Spitze bei der Südwest-GEW

Archivartikel

Stuttgart.Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) steht in Baden-Württemberg vor einem Führungswechsel. Landeschefin Doro Moritz geht nach zwölf Jahren in den Ruhestand. Nachfolgerin soll Monika Stein (Bild) werden, die bei der Freiburger OB-Wahl vor zwei Jahren mit Unterstützung eines linken Bündnisses auf 26,6 Prozent der Stimmen kam. Auch bei den stellvertretenden Vorsitzenden wird es neue Gesichter geben.

Die GEW hat lange nach einer Nachfolgerin für Moritz gesucht. „Ich bin angesprochen worden und habe eine Weile überlegt“, räumt Stein ein. Aber jetzt gehe sie die neue Aufgabe „aus vollstem Herzen“ an. Die 50-Jährige ist die einzige Bewerberin. Nach der Vorstellung im 80-köpfigen Landesvorstand haben schon mehrere Kreisverbände und Fachgremien intern ihre Unterstützung signalisiert. Ihre Wahl bei der Landesdelegiertenversammlung im Oktober gilt als sicher.

Linkes Profil

Bis zu ihrem Austritt 2008 war Stein sechs Jahre Mitglied der Grünen. Das hatte viel mit ihrem Parteifreund Dieter Salomon, dem damals noch jungen Freiburger Oberbürgermeister, zu tun. Zehn Jahre später kandidierte sie gegen Salomon bei der OB-Wahl und holte mit Unterstützung von mehreren linken Gruppen 26,6 Prozent. Salomon erreichte 31,3 Prozent. Sieger wurde als lachender Dritter der von der SPD unterstützte Martin Horn. Stein führt aktuell die zweitgrößte Gemeinderatsfraktion mit dem programmatischen Namen „Eine Stadt für alle. links. ökologisch. feministisch“.

Im Fall ihrer Wahl zur GEW-Landeschefin werde sie das kommunalpolitische Engagement beenden, kündigt Stein im Gespräch an. Auch als Lehrerin einer Werkrealschule werde sie aufhören. Stein: „Das war eine schwere Entscheidung.“

Bildungsgerechtigkeit sieht Stein als zentrale Herausforderung. „Die Schere ist zuletzt weiter auseinandergegangen“, klagt sie. Dabei hätten gerade die Monate der Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig Schulen, Kitas und andere Einrichtungen sind. „Bildung ist der Schlüssel für alles“, betont sie. Was da verbockt wird, schaffe gesellschaftliche Folgeprobleme bis zu einer wachsenden Zahl von Straftätern.

Statt einfach mehr Lehrer und Erzieherinnen zu fordern, formuliert Stein ihren gewerkschaftlichen Standpunkt indirekt: „Wir müssen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessern. Gute Bildung kostet Geld.“ Inklusion zum Beispiel funktioniere nur, wenn die Klassen kleiner werden und die ganze Zeit eine zweite Lehrkraft da sei.

Eisenmann im Blick

Als GEW-Chefin wird Stein eine wichtige Gegenspielerin zu CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann. „Ich will der Ministerin trotz inhaltlicher Differenzen in die Augen gucken können“, kündigt sie eine sachorientierte Auseinandersetzung an. Stein ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. GEW-Mitglied wurde sie 1994, allerdings lange Zeit passiv. Erst seit letztem Jahr ist sie Personalrätin im örtlichen Schulamt und Mitglied im Kreisvorstand der Gewerkschaft.

Komplett neu wird auch die zweite Reihe im Landesvorstand gebildet. Als Team für einen der drei Plätze kandidieren der Stuttgarter Schulleiter Michael Hirn (52 Jahre) und die Mannheimer GEW-Chefin Ricarda Kaiser (44). Für die beiden weiteren Plätze bewerben sich die 43-jährige Gymnasiallehrerin Farina Semler aus Herrenberg und der 34-David Warneck, der in einer Gemeinschaftsschule in Ostfildern bei Stuttgart unterrichtet. „Die GEW ist eine junge Gewerkschaft. Ich freue mich, dass sich jetzt auch in der Spitze ein Generationswechsel abzeichnet“, sagt Moritz.

Die Südwest-GEW zeichnet hohe personelle Kontinuität aus. Vor der seit zwölf Jahren amtierenden Moritz war Rainer Dahlem aus Schwaigern im Landkreis Heilbronn sogar 17 Jahre Landeschef. Die Bildungsgewerkschaft hat derzeit 50 000 Mitglieder und ist der größte GEW-Landesverband in Deutschland. In der Amtszeit von Moritz stieg die Zahl um 6000 Mitglieder. Bild: dpa

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