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Bildung SPD hält Eisenmann Täuschung vor / CDU-Ministerin nennt Vorwurf ungeheuerlich / Reaktionen auf Schulstudie

Neuer Konflikt um Gemeinschaftsschule

Stuttgart.Die Gemeinschaftsschule war das bildungspolitische Glanzstück der früheren grün-roten Regierung in Baden-Württemberg. Im neuen Schuljahr sind aber die Anmeldungen um acht Prozent gesunken, nur noch knapp die Hälfte der 304 Gemeinschaftsschulen erreicht die Mindestzahl von 40 Fünftklässlern. SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei machte gestern im Landtag CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann für den Rückgang verantwortlich: "Die Verunglimpfung muss ein Ende haben."

Fulst-Blei kritisierte, Eisenmann rede die neue Schulart, in der Schüler mit unterschiedlichem Leistungsniveau gemeinsam lernen, bewusst schlecht. Es seien zu wenige Gymnasiallehrer eingestellt worden, obwohl es viele Interessenten gab. Der SPD-Mann warf der Ministerin "bewusste Täuschung" vor.

Eisenmann, die gestern als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz unterwegs war, konterte schriftlich. Den Täuschungsvorwurf nannte sie "ungeheuerlich". Tatsächlich hätten sich auf 73 von 193 für Gymnasiallehrer ausgeschriebenen Stellen keine geeigneten Bewerber gefunden. Wenn es konkret werde, sinke das Interesse.

Für die Grünen, die vor fünf Jahren die Gemeinschaftsschule gemeinsam mit der SPD eingeführt hatten, lobte die Abgeordnete Sandra Boser die Schulart als "leistungsstarkes Bildungsangebot". Besonders im ländlichen Raum könnten damit alle Bildungsabschlüsse wohnortnah angeboten werden, sagte sie unter dem Beifall des früheren Koalitionspartners SPD. Versteinerte Mienen gab es beim heutigen Grünen-Partner CDU, als Boser auf Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für die Gründung von gymnasialen Oberstufen in den Gemeinschaftsschulen pochte.

Der CDU-Abgeordnete Raimund Haser wies auf die sinkende Nachfrage hin. Jede zweite Schule wäre heute gar nicht mehr genehmigungsfähig. "Daran ist die CDU-Fraktion ganz bestimmt nicht schuld", sagte Haser. Der AfD-Abgeordnete Rainer Balzer sieht die Gemeinschaftsschule nach fünf Jahren als gescheitert an. FDP-Bildungsexperte Timm Kern forderte, die Privilegien der Schulart abzuschaffen.

Absturz der Viertklässler

Am Rande der Debatte ging es mehr um den Absturz der baden-württembergischen Viertklässler im bundesweiten Vergleich auf den vorletzten Platz. Eisenmann stellt die Untersuchung für Deutsch und Mathe heute in Berlin vor. Die bisher bekannten Ergebnisse nannte CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart "verheerend". Schuld sei nicht die amtierende, sondern die grün-rote Vorgängerregierung. SPD und FDP verlangten eine Aufstockung der Studienplätze für Grundschullehrer.

Für die Lehrergewerkschaft GEW tragen Grüne, CDU, SPD und FDP "gleichermaßen die Verantwortung". Landeschefin Doro Moritz: "Die Grundschulen wurden kontinuierlich abgehängt."