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Arbeiterwohlfahrt Frankfurter Kreisverband stellt sich bei Konferenz am Samstag neu auf

Neues Präsidium soll aufräumen

Frankfurt.Mit Aufräumen kennt sich Petra Rossbrey aus: Die ehemalige Mitarbeiterin der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport war jahrelang Geschäftsführerin des Tochterunternehmens GCS Gesellschaft für Cleaning Service, zuständig für die Reinigung und technische Wartung der Flughafengebäude. Nun ist die Juristin Kandidatin für das Amt der ehrenamtlichen Präsidentin beim Frankfurter Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo). An diesem Samstag steht auf der Kreiskonferenz in Frankfurt die Wahl des neuen Präsidiums an – es ist eine personelle Neuaufstellung. Die Kandidatin für das Amt der Stellvertreterin, Barbara Dembowski, ist ebenfalls Juristin und hat beim Hessischen Beauftragten für Datenschutz gearbeitet.

Juristisches Fachwissen im ehrenamtlichen Präsidium der Frankfurter Awo kann aktuell nicht schaden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs- und Untreueverdachts. Nach Durchsuchungen mehrerer Büros und Wohnungen im Januar hat auch die Stadt Frankfurt Strafanzeige gestellt. Bildungs- und Sozialdezernat wollen prüfen, ob der Stadt Schaden entstanden ist.

Der im Dezember zurückgetretene Vorsitzende des Frankfurter Präsidiums war bis vor Kurzem auch Geschäftsführer des übergeordneten Awo-Bezirksverbands Hessen-Süd. Er wurde in der vergangenen Woche mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abberufen.

Verhinderung künftiger Skandale

Hintergrund sei unter anderem die Zurückhaltung von Fördermitteln durch den Awo-Bundesverband gewesen, die mit der derzeitigen Geschäftsführung begründet wurde. „Außerdem möchte sich der Bezirksverband mit dieser Entscheidung deutlich von den Missständen bei den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden distanzieren“, hieß es in der Awo-Stellungnahme.

Konsequenzen zur Verhinderung künftiger Skandale zog auch der Awo-Bundesverband und beschloss eine Verschärfung der internen Verhaltensregeln. Unter anderem soll mit einer Regulierung der Geschäftsführer-Gehälter, für die eine Höchstgrenze festgelegt werden solle, und mit der Einführung eines Transparenzregisters bis zum Jahresende sichergestellt werden, dass die Awo künftig vor ähnlichen Skandalen geschützt ist. Zudem sollten die Aufsichtsgremien gestärkt werden.

Beim Frankfurter Kreisverband wurde Ende Januar ein Kündigungsverfahren gegen den langjährigen Geschäftsführer eingeleitet. Vorsorglich seien alle Zahlungen eingestellt worden, hieß es. Der Wiesbadener Kreisverband hat sich im Januar neu aufgestellt. Beim Bezirksverband ist eine Task Force unter Leitung der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin im Einsatz. Sie soll „alle Hinweise auf mögliches Fehlverhalten, Versäumnisse oder strukturelle Probleme prüfen“ und Empfehlungen für Konsequenzen erarbeiten.

Schon nach einer Kreiskonferenz im Januar, zeigte sich Awo-Bundesvorstand Wolfgang Stadler sicher: „Die Selbstreinigungskräfte wirken.“ Mit der Wahl eines neuen Präsidiums soll am Samstag der nächste Schritt zum Neuanfang folgen. „Ich habe Vertrauen in die neuen Kandidaten und hoffe auf eine komplett neue Führungsmannschaft“, sagte Thomas Sock vom Awo-Ortsverein Gallus vor der Kreiskonferenz. Er erwarte, dass nicht nur ein neues Präsidium gewählt, sondern auch über den derzeitigen hauptamtlichen Vorstand gesprochen werde. „Es kann nicht sein, dass wir nicht über unsere Zukunft reden.“ lhe