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Südwest-Jusos Vorsitzender Pavlos Wacker will SPD-Nachwuchs einen / Kampagne zur Senkung des Wahlalters

Neustart inmitten von Altlasten

Stuttgart.Von der „Mammutaufgabe“, die vor ihm liegt, lässt sich Pavlos Wacker nicht schrecken. Flügelkämpfe und Intrigen, eine interne Datenaffäre und schlechte Stimmung an der Basis prägen das Bild der Jusos in Baden-Württemberg. Diese schwierige Gemengelage hat den 21-Jährigen an die Spitze der SPD-Nachwuchsorganisation gebracht. Nun wirbt der Student für einen Neustart. „Wir finden einen Weg, um gemeinsam aus der Krise zu kommen“, verspricht der Vorsitzende der Basis.

Über Jahrzehnte haben die als eher konservativ geltenden Netzwerker bei den Jusos im Südwesten dominiert, die Linken lieferten sich mit den Leuten vom Gegenflügel manche Schlammschlacht hinter den Kulissen. „Einige haben ganz vergessen, dass der politische Gegner nicht in der eigenen Partei sitzt“, klagt Wacker. Er gehöre keinem der Flügel an, werde aber „eher den Linken zugerechnet“. Er bewundere Menschen, die „linke Visionen mit pragmatischen Lösungen verbinden“. Dass er Ende Juni seine Vorgängerin Stephanie Bernickel klar mit 77 zu 61 Stimmen geschlagen hat, belegt für den Freiburger Politik- und Pädagogikstudenten den Zuspruch aus beiden Lagern. Bernickel war angelastet worden, dass sie in die Datenaffäre um verbotene Nutzung von Mitgliederlisten für den innerparteilichen Machtkampf verwickelt war.

Datenaffäre als Belastung

Derzeit arbeitet die Kontrollkommission der Mutterpartei die Affäre auf, die dem früheren Juso-Landeschef Leon Hahn ein Bußgeld eingebracht und den Juso-Geschäftsführer Yannick Schulze den Job gekostet hat. Eigentlich sollte der Abschlussbericht bis zum Parteitag am Wochenende fertig sein. Das Gremium hat aber um Aufschub gebeten. Wacker geht mit dem Problem pragmatisch um. „Ich habe mit der ganzen Geschichte nichts am Hut.“ Falls der Bericht weitere Fehler aufzeige, erwarte er von den Verantwortlichen Konsequenzen.

„Der Verband muss wieder arbeitsfähig werden“, betont der neue Vorsitzende. Als Erstes will Wacker eine Kampagne zur Absenkung des Wahlalters bei Landtagswahlen auf 16 Jahre auflegen. Taktische Überlegungen sind dem 21-Jährigen mit brasilianischer Mutter und deutschem Vater nicht fremd: „Die Grünen fangen bei dem Thema an zu schwitzen.“ Er sei gespannt, wie die grün-schwarze Koalition sich zu dem Thema einlässt.

Um die Antwort auf die Frage, ob Juso-Bundeschef Kevin Kühnert SPD-Vorsitzender werden sollte, redet Wacker weiträumig rum. Korrekt hält er sich an die Parteilinie, dass über einzelne Namen nicht geredet werden soll. Er hätte sich ein klareres Bekenntnis der SPD-Spitze zu einer Doppelspitze gewünscht. „Das klingt ein bisschen mutlos.“ Mit einem Tandem könnten mehr Wählergruppen angesprochen werden. Und natürlich denkt er da an die Jungen. Unter den zehn jüngsten Bundestagsabgeordneten sei kein Sozialdemokrat. Klar ist für ihn, dass die SPD die Groko in Berlin verlassen muss, um in der Opposition „mutige Konzepte“ zu entwickeln: „Das ist nicht die Koalition, die die Menschen noch wollen.“

Heftige Diskussionen erwartet

Mit dem baden-württembergischen SPD-Chef Andreas Stoch spielt Wacker schon fleißig Doppelpass. Stoch lobt den personellen Neuanfang beim Nachwuchs, Wacker freut sich über die Unterstützung für Juso-Forderungen zur Einführung eines Mietpreisdeckels und zum Ausbau der frühkindlichen Bildung. An diesem Samstag erwartet Wacker beim Parteitag in Pforzheim „sehr heftige Diskussionen“ über den Vorschlag des Vorstandes, den Eltern Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium zu geben. Viele hätten Bedenken, weil das Gemeinschaftsschulen zusätzliche Schwierigkeiten mache: „Das wird intensiv,“ prognostiziert Wacker.