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Politik CDU-Mann gibt Amt des hessischen Landtagspräsidenten nach 15 Jahren auf

Norbert Kartmann: Lieber heiter als laut

Archivartikel

Wiesbaden.Mit 69 Jahren ist für Norbert Kartmann noch lange nicht Schluss. Der CDU-Politiker kandidiert bei der Landtagswahl Ende Oktober in seinem Heimatwahlkreis Wetterau III erneut für ein Parlamentsmandat. Das Amt des Landtagspräsidenten gibt der ehemalige Haupt- und Realschullehrer dann aber auf. „15 Jahre sind genug“, sagt Kartmann gestern, am Jahrestag seiner ersten Wahl in diese Funktion im Jahr 2003.

Und es passt zu dem als jovial geltenden und über alle Parteigrenzen anerkannten Parlamentschef, wenn er sich nach eigenen Angaben schon darauf freut, dass er dann im neuen Landtag „auch mal wieder eine richtige Rede halten darf“, nachdem er so etwas als Präsident anderthalb Jahrzehnte lang nur noch bei Gedenkveranstaltungen tat.

Dass er auch politischen Streit durchaus kann, bewies der langjährige Abgeordnete in der Zeit von 1998 bis 2003, nachdem er als Nachfolger des zum Ministerpräsidenten avancierten Roland Koch zum Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion gewählt worden war.

Doch das Amt des eher langmütigen, Streit schlichtenden und oft zu Scherzen aufgelegten Landtagspräsidenten passt viel besser zu dem Menschen Kartmann, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Dafür, dass Strenge nicht seine herausragende Eigenschaft als Landtagspräsident ist, kann Kartmann aber auch politische Gründe nennen. „Ich sage jeder Schülergruppe, die im Landtag zu Besuch ist, immer: Streit gehört zur politischen Kultur einer Demokratie.“

Das heißt keineswegs, dass Kartmann in den 15 Jahren nicht auch einmal energisch durchgegriffen hätte. Gefragt nach seinen herausragenden Erinnerungen aus dieser Zeit nennt er ein Erlebnis mit der Protestaktion der Linken vor einigen Jahren, als diese Partei noch relativ neu im Parlament war und im Plenarsaal des Landtags nach einer Demonstration Schilder hochhielt sowie eine von ihr eingeladene Besuchergruppe von der Tribüne aus Lieder sang.

Bodenhaftung wichtig

Nachdem sie der Präsident vergeblich aufgefordert hatte, das zu unterlassen, verwies er beide seinerzeit des Parlaments. „Das musste sein, weil Liedersingen und Schilderhochhalten im Parlament wirklich gar nicht geht“, sagt Kartmann heute. Doch auch mit der Linken kommt er inzwischen ganz manierlich aus und ging auch zur Verabschiedung von deren langjährigem Fraktionschef Willi van Ooyen im vergangenen Jahr.

Welche Aufgabe er als dann wieder einfacher Abgeordneter in der CDU-Fraktion des neuen Landtags einnehmen wird, lässt Kartmann offen. „Ansprüche erhebe ich jedenfalls nicht“, betont er. Wichtig ist dem Sohn eines aus Siebenbürgen eingewanderten Bauern aber weiter die Bodenhaftung, auch wenn er sein Amt als Ortvorsteher im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel nach nunmehr 20 Jahren ebenfalls aufgeben will. Genug zu tun haben wird Kartmann trotzdem.

Gerade ist er wieder zum Landesvorsitzenden der CDU-Seniorenunion gewählt worden, zudem bleibt er stellvertretender Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der Partei und auch noch Chef des Hessischen Turnverbands.