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Afrikanische Schweinepest Jäger scheitern bei der Dezimierung der Tiere

Notfallpläne gegen Ausbreitung der Seuche

Stuttgart.Bereits vor gut zwei Jahren hat Baden-Württemberg einen Notfallplan zur Vorbeugung und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aufgelegt. Nach dem Ausbruch der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche in Brandenburg sieht das Landwirtschaftsministerium die Schweinemäster auch im Südwesten in existenziellen Nöten. Wir beantworten Fragen zum aktuellen Stand.

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Nachricht über den ersten ASP-Fall, der im brandenburgischen Grenzland zu Polen aufgetreten ist, hat sich wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland verbreitet. Die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts weisen darauf hin, dass die Tierseuche für den Menschen ungefährlich ist. Der Verzehr von infizierten Schweinefleisch führt zu keinen Problemen. Dagegen verläuft die Krankheit sowohl für Haus- wie für Wildschweine meist tödlich. ASP kann nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) unterschieden werden. Da eine Ansteckung vornehmlich über Blut, bluthaltige Flüssigkeiten und bluthaltige Gewebe erfolgt, breitet sich die Infektion oftmals nur sehr langsam aus. Allerdings reichen jedoch sehr geringe Blutmengen für eine Ansteckung.

Wie verlaufen die Infektionswege?

Das Virus kann in Lebensmitteln große Entfernungen überbrücken. Als Verbreiter gelten Fernfahrer und andere Reisende, die aus den osteuropäischen Ländern kommen. In Polen sind in diesem Jahr bereits über 3100 Infektionen bei Wildschweinen gemeldet und 82 bei Hausschweinen. In Rumänien sind es in beiden Gruppen jeweils rund 600. Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium hat seine Informationskampagne vor diesem Hintergrund auf die Erntehelfer ausgedehnt. „Wir appellieren an alle Reisende, keine Lebensmitteln aus diesen Ländern nach Deutschland mitzunehmen“, erklärt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Speisereste dürfen nicht verfüttert werden und auch nicht in die Reichweite von Wildschweinen kommen.

Was ist mit der Ansteckung über Wildschweine?

Neben den Lebensmitteln sorgen Wildschweine für die Verbreitung des Virus. Deshalb hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) schon Anfang 2018 ein Programm aufgelegt, um den Bestand der Schwarzkittel zu verkleinern. „Je größer die Population, desto schneller kann sich die Seuche ausbreiten“, sagte der CDU-Mann damals. Die Schonzeiten wurden ausgesetzt, die Jagd zum Beispiel durch die Erlaubnis von Nachtsichtgeräten erleichtert. Jäger erhalten finanzielle Hilfen, wenn sie Hochsitze bauen und Drohnen anschaffen. Der Erfolg war überschaubar: Im Jagdjahr 2018/19 ging die Zahl der erlegten Wildschweine im Südwesten trotzdem um 39 Prozent von 78 600 auf 47 800 zurück. „Wildschweinjagd ist harte Arbeit“, sagt der Ministeriumssprecher. Wenn Eichen und Buchen genügend Futter spenden, bleiben die scheuen Tiere unsichtbar. Bayern motiviert die Jäger sogar mit 100 Euro Abschussprämie je erlegtem Tier und konnte trotzdem den Rückgang nicht verhindern. Für die Ende März ausgelaufene Saison 2019/20 liegen noch keine Zahlen vor. Im Ministerium rechnet man aber wieder mit einem „deutlichen Anstieg der Jagdstrecke“.

Warum fallen jetzt die Preise für Schweinefleisch?

In der EU haben sich die Staaten darauf verständigt, dass nach ASP-Ausbrüchen nur Exportverbote für die betroffene Region greifen. Dagegen haben Südkorea und China die Einfuhr von Schweineprodukten komplett gestoppt. Im ersten Halbjahr 2020 gingen nach Angaben des Ministeriums 380 000 Tonnen Fleisch und andere Schweineprodukte aus Deutschland nach China. Weil Ersatzmärkte nicht in Sicht sind, ist der Preis für Schweinefleisch binnen zwei Tagen um 14 Prozent gefallen. Dabei war das Niveau durch die Corona-Krise schon vorher niedrig. „Das ist für unsere Landwirte eine dramatische Situation“, sagt der Hauk-Sprecher.

Wie sieht die Seuchen- bekämpfung konkret aus?

Die Jäger müssen alle tot aufgefundenen Wildschweine auf ASP untersuchen lassen und die Kadaver sicher entsorgen. Alle Gegenstände, die mit Schwarzkitteln in Berührung gekommen sind, sollen desinfiziert werden. Schweinemäster sollen den Tierarzt rufen, wenn fieberhafte Erkrankungen in ihren Beständen auftreten. Hauk: „Ein möglicher Seuchenausbruch muss frühzeitig erkannt und bekämpft werden“.

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