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Atomkraft Das Kernkraftwerk Philippsburg ist auf unbestimmte Zeit abgeschaltet / Suche nach Fehler im System

Notstromdiesel als Problemfall?

Stuttgart/Karlsruhe.Das Kernkraftwerk Philippsburg (KKP 2) bleibt bis auf weiteres abgeschaltet. „Derzeit können wir keine zeitliche Abschätzung vornehmen“, erklärte am Freitag ein Sprecher des Energiekonzerns EnBW. Zwei Tage zuvor war der Reaktor „vorsorglich“ vom Netz genommen worden, nachdem ein Schaden an einem Notstromaggregat festgestellt wurde. Weil es in der Vergangenheit schon öfter Probleme mit den Dieselmotoren gab, wird der Fehler auf der internationalen Bewertungsskala INES als „Stufe 1“ behandelt, eine „Störung mit sicherheitstechnischer Bedeutung“.

Auslöser war ein Riss im Turbolader eines Notstromdiesels mit der Folge, dass Wasser ins Abgasrohr gelangte. Brisant wurde der Schaden dadurch, dass im April 2018 am gleichen Aggregat derselbe Schaden schon einmal aufgetreten war. Zusätzlich musste die EnBW einräumen, dass zwischen 22. und 27. Mai ein weiterer Notstromdiesel wegen eines anderen Schadens ebenfalls ausgefallen war. Für diese fünf Tage standen nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums möglicherweise nur zwei der vier Motoren im Notstromnetz bereit. In diesem Fall sehen die Regularien die Abschaltung bis zur Klärung der Ursachen vor.

Umfassende Überprüfung

Die Dieselmotoren sind dafür vorgesehen, bei einem Ausfall der regulären Stromversorgung die Energieversorgung der Anlage zu sichern. Aus Sicherheitsgründen sind für jedes der beiden Notstromnetze vier Motoren vorhanden. Einer würde im Notfall reichen. „Auf diese Weise ist technisch gewährleistet, dass selbst beim Ausfall einzelner Aggregate die Stromversorgung aufrecht erhalten werden kann“, heißt es in einer Erklärung der EnBW.

Derweil betätigt ein Sprecher von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne): „Eine Gefährdung hat nicht vorgelegen.“ Es gehe jetzt um die Klärung, ob ein „systemischer Fehler vorliegt, der auch die anderen Motoren treffen könnte“.

Die Notstromdiesel werden äußerst selten gebraucht. Inzwischen sind die Motoren 40 Jahre alt. Es geht um die Frage, ob die Risse zum Beispiel durch Materialermüdung entstanden sind. In Neckarwestheim sind nach Firmenangaben Aggregate anderen Typs verbaut, die von dem Fehler in Philippsburg nicht tangiert seien.

Die EnBW setzt darauf, dass die Motoren repariert werden können. „Die Maßnahmen sollen so umgesetzt werden, dass KKP 2 im Anschluss wieder ans Netz gehen kann“. Die Probleme treffen den Reaktor zu einem wirtschaftlich ungünstigen Zeitpunkt. Nach bisheriger Planung wird das Kraftwerk zum Jahreswechsel endgültig vom Netz gehen. Der Block 2 hat die für ihn im Ausstiegsgesetz vorgegebene Strommenge bereits produziert und kann derzeit nur noch laufen, weil vom 2011 stillgelegten Block 1 Restmengen übertragen wurden.

Die Kernkraftgegner der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe sind überzeugt, dass die EnBW die Pannenserie aussitzen will, obwohl „gegen Ende der Laufzeit die Fehlerhäufigkeit wächst, da sich anscheinend manche Wartungs-, Reparatur- oder Sicherheitsupdates nicht mehr ’lohnen’ oder zu viel Geld kosten würden“. KKP 2 müsse unverzüglich stillgelegt werden.

Zuletzt war der Reaktor vor zwei Jahren außerplanmäßig für ein Vierteljahr abgeschaltet, nachdem bei einem Kontrollgang abgelöste Bolzen entdeckt worden waren. Damals wurde zur Behebung des Fehlers die Revision vorgezogen.