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Umwelt Waldschadensbericht 2019 vorgestellt / Forstminister Peter Hauk kündigt neuen Masterplan an

Nur jeder fünfte Baum ist noch gesund

Archivartikel

Stuttgart.Dürre und Hitze, lokaler Starkregen, Stürme und Tornados, Borkenkäfer und Baumkrankheiten hinterlassen ihre Spuren: Der Wald in Baden-Württemberg ist großflächig beschädigt. Nur noch jeder fünfte Baum gilt noch als gesund, von den restlichen 80 Prozent der Bäume ist fast jeder zweite (43 Prozent) erheblich geschädigt.

„Der Klimawandel ist bereits in unseren Wäldern angekommen und hat sie fest im Griff“, sagt der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk (CDU) bei der Vorstellung des Waldschadensberichts 2019 am Montag in Stuttgart. „Hitze und Trockenheit schaffen nicht nur den Menschen, sondern auch die Bäume. Und neu ist, dass nahezu alle Baumarten betroffen sind.“

Hauk will handeln

Hauk will der dramatischen Entwicklung neben dem vom Land bereits beschlossenen Notfallplan Wald, der in den kommenden beiden Jahren jeweils 40 Millionen Euro für mehr Forstpersonale, Schadensaufarbeitung und Förderung vorsieht, auch mit einem neuen ,,Masterplan Waldstrategie 2050“ begegnen. Dieser soll nötige Umbaumaßnahmen des Waldes hin zu klimawandelresistentem Mischwald enthalten und bis Mitte 2020 vorliegen.

„Wir müssen uns mit dem Wald wetterfest machen für alle Szenarien, vom globalen Temperaturanstieg um ein weiteres Grad bis hin zu einer stärkeren Erwärmung“, sagt Hauk. Anlass zur Panik sieht er indes nicht. „Der Wald und mit ihm die Soziologie der Waldgesellschaft wird sich verändern. Aber ich finde das auch nicht so schlimm.“ Von der aktuellen Entwicklung ist indes keine Region in Baden-Württemberg verschont.

Im Raum Waldshut ist es vor allem die Fichte, die durch eine explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers großflächig abstirbt. Im Schwarzwald ist auch die Weißtanne vom Borkenkäfer betroffen und durch Trockenschäden und Hitze gezeichnet, selbst in Höhenlagen. In der Oberrheinebene leiden die Kiefern an der Kiefernkomplexkrankheit. „Und besondere Sorge macht uns die Buche“, sagt Hauk, „denn eigentlich haben wir auf sie gesetzt. Aber die Kronen verlieren an Blattmasse, einzelne sterben bereits ab. Und im Gegensatz zu Tannen und Eichen erholen sich Buchen nicht mehr. Ist der Baum einmal geschädigt, ist er nicht mehr zu retten.“

Verband kritisiert Sparkurs

Kritik an der Forstpolitik des Landes gab es unterdessen von der Arbeitsgemeinschaft Wald Baden-Württemberg und dem Landesverband des Bundes Deutscher Forstleute Baden-Württemberg.

Die Folgen des Klimawandels auf den Wald seinen bereits seit den frühen neunziger Jahren bekannt. „Wir wären mit dem Waldumbau schon längst weiter, wenn uns in den letzen 30 Jahren nicht 50 Prozent aller Stellen gestrichen und die Klimafolgenforschung im Wald auf Sparflamme gehalten worden wären“, kritisiert deren Vorsitzender Dietmar Hellmann.

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